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Berufungsprozess in Südafrika : Staatsanwältin: Pistorius zeigt Selbstmitleid, keine Reue

Oscar Pistorius nach einer Anhörung im Juli 2016. Bild: Reuters

Der Fall Oscar Pistorius geht in die dritte Runde, die Anklage hofft auf eine höhere Haftstrafe als die bisher verhängten sechs Jahre. Sie wirft dem südafrikanischen Sprinter fehlendes Bedauern vor.

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          Der Prozess um Oscar Pistorius nimmt kein Ende. Mehr als ein Jahr nach der Verurteilung des früheren Spitzensportlers zu sechs Jahren Gefängnis hat am Freitag das Berufungsverfahren begonnen. Die Staatsanwaltschaft beharrt auf einer Haftstrafe von 15 Jahren. Das Strafmaß, das Richterin Thokozile Masipa im vergangenen Jahr festgesetzt hatte, bezeichnete sie als „schockierend niedrig“.

          Claudia Bröll
          Politische Korrespondentin für Afrika mit Sitz in Kapstadt.

          Pistorius habe keine echte Reue gezeigt, argumentierte Staatsanwältin Andrea Johnson im Hohen Gericht in Pretoria. Sein Bedauern spreche ihn nicht frei von der Verantwortung für ein Verbrechen. Außerdem habe er immer noch keine einleuchtende Erklärung dafür abgegeben, warum er geschossen habe. Johnson hat den Fall von ihrem Vorgänger Gerrie Nel übernommen, der Anfang des Jahres zu der einflussreichen Nichtregierungsorganisation Afriforum gewechselt ist, die private Strafverfolgung anstrebt. Die Gegenseite verteidigte am Freitag erwartungsgemäß das Urteil. Anwalt Barry Roux betonte, dass der behinderte Sportler einen Einbrecher erschießen wollte. Zudem sei er traumatisiert gewesen.

          Pistorius hatte seine Freundin Reeva Steenkamp am Valentinstag 2013 mit vier Schüssen durch eine geschlossene Toilettentür getötet. Er sprach von einer Verwechslung mit einem Einbrecher. Richterin Masipa hatte ihn zunächst wegen fahrlässiger Tötung zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt, doch das Oberste Berufungsgericht hob das Urteil auf und erklärte Pistorius der bedingt vorsätzlichen Tötung für schuldig. Dafür ist in Südafrika wie bei Mord eine Mindeststrafe von 15 Jahren vorgesehen. Nur in Ausnahmefällen kann sie geringer ausfallen. Die Richterin sah dies als gegeben an. Pistorius habe echte Reue gezeigt. Sein Leben werde nie mehr so sein wie früher, er sei ein „gefallener Held“ und werde vermutlich nicht noch einmal so eine Tat begehen. Wann eine Entscheidung in dem Berufungsverfahren fällt, ist bislang unklar.

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