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St.-Pölten-Skandal : „Bubendummheiten“ im Priesterseminar

  • -Aktualisiert am

Hinter dicken Mauern in St. Pölten: „Pastoraler Supergau” Bild: AP

St. Pölten zwischen „blöder Geschichte“ und „pastoralem Supergau“: Pornofotos im Priesterseminar, Griffe ans „Gemächt“ und Ermittlungen des Staatsanwalts.

          4 Min.

          Still war es in letzter Zeit um Kurt Krenn geworden. Wenn der 68 Jahre alte Bischof von St. Pölten öffentlich in Erscheinung trat, schien ihm das gewohnte Temperament abhanden gekommen zu sein. Streitbar zu sein gehöre zum "Wesen eines vernünftigen Menschen", äußerte Krenn einmal. Kein Blatt nahm er vor den Mund, wenn es galt, "die Sache Gottes und der Kirche" zu verteidigen.

          Seit 13 Jahren steht der Theologieprofessor der Diözese St. Pölten vor. Seine Ernennung war seinerzeit teils auf heftige Ablehnung gestoßen. In Krenns Amtszeit fällt die lange währende Kontroverse mit dem Paudorfer Pfarrer Udo Fischer. Sie wiederum entsprang der "Causa Groer", in der eine Apostolischen Visitation im Stift Göttweig, dem der Ordensgeistliche Fischer angehört, gipfelte. Gegen den mittlerweile verstorbenen Wiener Erzbischof Hans Hermann Groer, dessen Weihbischof Krenn ehedem war, waren einst Vorwürfe erhoben wurden, es sei zu homosexuellen Handlungen zu der Zeit gekommen, als der spätere Kardinal noch Religionslehrer gewesen war; Krenn hatte die Vorhaltungen seinerzeit als "denkunmöglich" bezeichnet. Nun treffen ähnliche Vorwürfe das Priesterseminar in St. Pölten, das ihm als Ortsbischof direkt untersteht.

          40.000 Pornofotos und Filme

          Der Skandal nahm im Herbst 2003 seinen Ausgang. Ein Seminarist beging Selbstmord. Damals wollten einige wissen, sein Tod habe möglicherweise einen homosexuellen Hintergrund. Wenig später entdeckte der für die elektronische Datenverarbeitung Verantwortliche, daß im Priesterseminar St. Pölten Kinderpornos auf Computer heruntergeladen wurden. Bischof Krenn, Regens Ulrich Küchl und die Polizei wurden informiert, die Staatsanwaltschaft schaltete sich ein. Ende Juni, nach neuerlichen Hinweisen, wurde das Seminar durchsucht; Festplatten von Computern, 40.000 Fotos und, wie die Zeitschrift "Profil" soeben berichtete, "zahlreiche Filme mit teils abartigen Sexdarstellungen" sollen in den Zimmern von Priesteramtskandidaten sichergestellt worden sein.

          In der Kritik: St. Pöltens Bischof Kurt Krenn

          Krenn bestätigte gegenüber dem Österreichischen Rundfunk, ein Foto gesehen zu haben, auf dem der Regens des Priesterseminars, der inzwischen zurückgetreten ist, einem bekleideten Mann "ans Gemächt" (zwischen die Beine) greift. Noch vor zwei Wochen hatten Küchl und der mittlerweile ebenfalls aus dem Amt geschiedene Subregens Wolfgang Rothe derlei entschieden bestritten. Krenn sagte zu einer anderen Aufnahme, die Rothe "in einem innigen Kuß mit einem Mann zeigt": Was er gesehen habe, seien "in keiner Weise Dinge, die mit Homosexualität zu tun haben"; vielmehr handele es sich um "Bubendummheiten" und um eine "blöde Geschichte".

          „Sumpf schleunigst trockenlegen“

          Michael Dinhobl, der Sprecher des Bischofs, gab unterdessen an, die Abbildungen, die am Montag in "Profil", am Dienstag in nahezu allen österreichischen Tageszeitungen veröffentlicht wurden, seien Krenn am Mittwoch voriger Woche von Weihbischof Heinrich Fasching übergeben worden. Fasching habe mitgeteilt, die Bilder "unter seiner Tür vorgefunden" zu haben. Wie die kompromittierenden Aufnahmen an die Öffentlichkeit gelangten, ist auch für den die Ermittlungen leitenden Staatsanwaltschaft Nemec "derzeit unklar".

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