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St.-Pölten-Skandal : „Bubendummheiten“ im Priesterseminar

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Die "Aufdeckung des Skandals" sei "von einer breiten Front hoher und höchster Würdenträger der Diözese St. Pölten ermöglicht" worden, die "entschlossen ist, das Doppelleben nicht mehr mitzuspielen", hieß es dagegen in "Profil". Diese Gruppe erhebe auch gegen Bischof Krenn schwere Vorwürfe, habe den Vatikan bereits eingeschaltet und die Entmachtung des Bischofs vorbereitet. Die Vorkommnisse haben auch die Österreichische Bischofskonferenz alarmiert. Deren Pressestelle ließ über die Agentur Kathpress verlauten: "Im Hinblick auf die Berichte über das St. Pöltner Priesterseminar herrscht dringender kirchlicher Handlungsbedarf." Es stehe "außer Frage, daß alles, was mit praktizierter Homosexualität oder Pornografie zu tun hat, in einem Priesterseminar keinen Platz haben kann." Der Grazer Diözesanbischof Egon Kapellari, stellvertretender Vorsitzender der Bischofskonferenz, rief dazu auf, den "Sumpf schleunigst trockenzulegen", um zu verhindern, daß andere Priester und Priesteramtskandidaten einem "falschen Generalverdacht ausgesetzt" würden. Zu den Bemerkungen Krenns sagte Kapellari: "In keinem Priesterseminar darf ein Klima aufkommen, in dem sich Cliquen bilden und isolieren." Komme derlei dennoch vor, müsse es im Keime erstickt werden, was "in St. Pölten offenbar verabsäumt worden" sei.

„Eine Art pastoraler Supergau“

In der Stellungnahme der Bischofskonferenz heißt es, das St. Pöltner Priesterseminar habe sich "vor zwei Jahren deutlich vom Kurs der anderen österreichischen Priesterseminare abgekoppelt". Die Leiter der österreichischen Priesterseminare hätten ihre "Betroffenheit über die Entwicklung in St. Pölten zum Ausdruck gebracht". Es sei ihre Aufgabe, die geistlichen und menschlichen Qualitäten der Kandidaten genau zu prüfen. Man wisse sich den kirchlichen Ausbildungsnormen verpflichtet, die einen besonderen Schwerpunkt auf die menschliche Reifung der künftigen Priester legten. Das werde gewährleistet durch ein strenges Aufnahmeverfahren, ein Einführungsjahr für alle Neueintretenden sowie eine intensive geistliche und menschliche Begleitung während der Seminarzeit.

In St. Pölten sollen Seminaristen aufgenommen worden sein, die anderswo, auch in Deutschland und Polen, abgelehnt worden seien. Der über die Grenzen Österreichs hinaus bekannte Wiener Pastoraltheologe Paul Zulehner sieht in der Affäre "eine Art pastoraler Supergau der Diözese" und die "letzte Ernte einer völlig verfehlten Bischofsernennungspolitik Roms". Bischof Krenn solle sich eingestehen: "Ich bin krank, mir setzt der Alkohol zu sehr zu", und er müsse zur Kenntnis nehmen, nicht mehr in der Lage zu sein, "solche Zustände zu verhindern". Die Konsequenz heiße, "das Amt zu verlassen", so Zulehner.

Krenns Rücktritt gefordert

Für Hubert Feichtlbauer, einen katholischen Publizisten und einstigen Vorsitzender der Plattform "Wir sind Kirche", kommt "die Bischofsbesetzungspolitik des Vatikans der späten achtziger und frühen neunziger Jahre jetzt als Gespenst zurück". Man habe Bischöfe ernannt, "die von Anbeginn überfordert waren, deren Überforderung sich aber besonders zeigt, wenn es zu krisenhaften Entwicklungen kommt". Feichtlbauer plädierte am Dienstag für einen "freiwilligen Rückzug Kurt Krenns als Bischof der Diözese St. Pölten". Just den Rückzug hatte Krenn bereits ausgeschlossen, als er das Bischöfliche Konsistorium einberief. Sein Beraterkreis, dem auch die Mitglieder des Domkapitels angehören, kam zu dem Schluß, die Vorfälle im Priesterseminar würden "diözesanintern geprüft und einer Klärung unterzogen".

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