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Spanischer Korruptionsprozess : Acht Jahre für die Infantin?

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Cristina von Bourbon am Freitag vor dem Gerichtsgebäude in Palma Bild: Reuters

Die Staatsanwaltschaft hat 19 und 16 Jahre Gefängnis für die beiden Hauptangeklagten im Korruptionsfall „Noos“ gefordert. Als Mitwisserin soll auch die Infantin lange in Haft.

          Mit hohen Strafanträgen ist der Prozess im spanischen Korruptionsfall „Nóos“ in seine entscheidende Phase getreten. Die Staatsanwaltschaft verlangte vor dem Gericht in Palma de Mallorca für die beiden Hauptangeklagten Iñaki Urdangarin und Diego Torres 19 respektive 16 Jahre Gefängnis. Für Urdangarins Frau Cristina von Bourbon, die nach Ansicht der Staatsanwaltschaft unschuldig ist, forderte die als Nebenklägerin fungierende Organisation „Saubere Hände“ acht Jahre Haft.

          Die Organisation, deren Vorsitzender inzwischen wegen mutmaßlicher Erpressungsversuche, darunter auch gegen die Infantin, selbst in Haft ist, wirft der Schwester von König Felipe VI. vor, bei zwei Steuerdelikten „notwendige Komplizin“ gewesen zu sein. Die rechtlichen Verwicklungen von „Saubere Hände“, die angeblich drei Millionen Euro für eine Rücknahme ihrer Klage verlangte, wirkten sich auf das Verfahren in Palma nicht aus.

          In dem Prozess, der vor vier Monaten begann, sind insgesamt 18 Personen angeklagt. Während viele von ihnen Geständnisse ablegten und zum Beispiel der frühere Ministerpräsident der Balearen Jaume Matas durch Zahlung einer hohen Buße den Strafantrag in einem Deal mit dem Staatsanwalt auf fünf Jahre Haft reduzieren konnte, blieben Urdangarin und Torres bei ihrer Behauptung, unschuldig zu sein. Der Mangel an Einsicht und Reue ist der Hauptgrund für die hohen Strafanträge.

          Neben der Haft hohe Geldstrafen gefordert

          Dem ehemaligen Sportler und seinem Geschäftspartner werden Missbrauch öffentlicher Mittel, Betrug, Dokumentenfälschung, Steuerhinterziehung, Geldwäsche und Rechtsbeugung vorgeworfen. Sie sollen von den mehr als sechs Millionen Euro, die sie von den Regionalregierungen der Balearen und Valencias über die angeblich gemeinnützige Stiftung „Nóos“ einnahmen, mindestens vier Millionen in die eigene Tasche gesteckt haben. Dafür forderte die Staatsanwaltschaft neben den Haftstrafen auch jeweils eine Geldstrafe von rund einer Million Euro.

          Für Dienstag sind die Plädoyers der Verteidiger angesetzt. Das Verfahren, in dem außer den Angeklagten noch mehrere hundert Zeugen und Sachverständige gehört wurden, dürfte zum Monatsende abgeschlossen werden. Mit der Urteilsverkündung wird jedoch erst nach der Sommerpause gerechnet.

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