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135.000 Marihuana-Pflanzen : Rekord-Fund an Cannabis in Europa

Auf der größten Cannabis-Plantage Europas haben Beamte der Guardia Civil 135.000 Marihuana-Pflanzen sichergestellt. (Symbolbild) Bild: AP

Die spanische Polizei hat in Toledo die größte Cannabis-Plantage Europas entdeckt. Laut Ermittlern entwickelt sich Spanien immer mehr zu einem Zentrum für illegalen Drogenhandel.

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          Früher war Spanien das Tor für Rauschgift aus Marokko und Lateinamerika. Haschisch aus Nordafrika und Kokain aus Kolumbien und Peru durchquerten das Land zum größten Teil im Transit in Richtung Norden. Doch inzwischen ist das südeuro­päische Land selbst ein Produzent, der an Gewicht gewinnt. In der Provinz Toledo hat jetzt die spanische Polizei Europas größte Cannabis-Plantage entdeckt – so groß wie mehr als 15 Fußballfelder. Auf einem Bauernhof bei Huerta de ­Valdecarábanos beschlagnahmten Beamte der Guardia Civil 135.000 Marihuana-Pflanzen. Laut spanischen Presseberichten ist das die bisher größte Menge in Europa. Drei Männer wurden festgenommen.

          Hans-Christian Rößler
          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Die als Industriehanf deklarierten Pflanzen wuchsen auf einem zwölf Hektar großen Grundstück. In ­Hallen lagerten in der Nähe 30 Tonnen Trockengut, gefunden wurden zudem 3720 Kilogramm vertriebsfertige Knospen. Für Nachschub war auch gesorgt: Ende September konfiszierte der Zoll auf dem Madrider Flughafen 112 Kilogramm Marihuana-Knospen, die für die Plantage bestimmt waren. Um den Anbau kümmerten sich nach Erkenntnissen der Ermittler vor allem Aus­länder, die weder eine Aufenthaltsgenehmigung, noch einen Vertrag hatten und in primitiven Unter­künften hausten. Bei früheren ­Razzien waren Polizisten in der Region auf Vietnamesen gestoßen. Die spanischen Anbaugebiete breiten sich auch in der Landesmitte immer weiter aus.

          Höchste Produktionsmenge in Katalonien

          Die Provinz Toledo liegt nicht weit entfernt von der Hauptstadt Madrid mit ihren guten Absatzmöglichkeiten. Den Spitzenplatz bei der Produktion nimmt jedoch Katalonien ein. Schon vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie lag die Region bei den beschlagnahmten Mengen mit mehr als zwölf Tonnen in Führung. Darauf folgte Andalusien mit knapp zehn Tonnen, dann kam mit größerem Abstand Valencia, wie aus Zahlen des spanischen Innenministeriums aus dem Jahr 2018 hervorgeht. Corona setzte zwar der spanischen Wirtschaft schwer zu. Das galt aber nicht für Marihuana. Nach Angaben der katalanischen Regionalpolizei wurden im Jahr 2015 65.000 Pflanzen beschlagnahmt, im vergangenen Jahr waren es 265.000. 2021 erwartet man eine noch größerer Menge.

          Ein Bericht der katalanischen Polizei warnt vor der Entstehung einer „Narco-Wirtschaft“; Narcos ist die spanische Kurzform für Rauschgifthändler. Produzenten und Händler bekämpfen sich in Spanien immer brutaler und rauben sich gegenseitig ihre Ernten; es gab schon mehrere Tote. Nicht nur in Barcelona und Umgebung, sondern auch an der Costa del Sol, an deren Stränden sich auslän­dische Großdealer niedergelassen haben. „Katalonien ist das Epizentrum des illegalen Marihuana-Markts in Europa“, stellt der ­Polizeibericht fest. In den vergangenen sechs Jahren hoben die katalanischen Beamten 150 Banden aus, die mit Marihuana handelten. Das gilt als ein weiterer Hinweis dafür, dass Spanien dabei ist, zum größten Produzenten Europas zu werden.

          Mehrheit für die Legalisierung von Cannabis

          Ähnlich wie in Deutschland wird auch in Spanien über die Legalisierung des Cannabiskonsums debattiert. Neun von zehn Spaniern sind dafür, die Verwendung für therapeutische Zwecken zu erlauben, wie aus einer Umfrage des staat­lichen Meinungsforschungsinstituts CIS hervorgeht. Am Dienstag beriet das spanische Parlament zum ersten Mal über einen ent­sprechenden Antrag mehrerer ­kleiner Linksparteien. Medizi­nisches ­Cannabis kann in Spanien schon in Apotheken erworben werden. ­Zum Beispiel das Medikament Epidyolex, dessen Verkauf jedoch auf Patienten beschränkt ist, die an schwerer ­Epilepsie leiden.

          Man schätzt jedoch, dass mehr als drei Millionen Menschen regelmäßig Cannabis konsumieren. Das wird als Ordnungswidrigkeit ge­ahndet, während der Handel ver­boten ist. Barcelona bildete bis vor kurzem mit seinen mehr als 200 „Cannabis Social Clubs“ eine Ausnahme. Konsumenten und Produzenten hatten sich dort ursprünglich in einer privaten Vereinigung zusammengeschlossen, was aber Touristen nicht daran hinderte, sich ebenfalls in den Clubs zu versorgen. Im Sommer schritt der Oberste Gerichtshof Kataloniens ein und hob die städtische Sonderregelung auf.

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