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Fall Sophia L. : Polizei hat Hinweise auf Tatort in Oberfranken

Polizisten steigen am Fundort einer Frauenleiche in Nordspanien über eine Absperrung. Bild: dpa

Ein 41 Jahre alter Lastwagenfahrer soll den Mord an der vermissten Tramperin gestanden haben. Der gefundene Leichnam weist Spuren von Gewalt auf, obwohl der Täter offenbar versucht hatte, ihn zu verbrennen.

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          Nach dem Fund einer Frauenleiche in Nordspanien ist nach wie vor ungewiss, ob es sich dabei um die seit dem vergangenen Donnerstag vermisste Leipziger Studentin Sophia L. handelt. Die Tote habe bisher nach Angaben der spanischen Behörden nicht identifiziert werden können, teilte die Polizei Leipzig am Freitag mit. Polizei und Staatsanwaltschaft stünden jedoch mit den spanischen Ermittlern in Kontakt; Auskunft zu neuen Erkenntnissen in dem Fall könnten jedoch erst gegeben werden, wenn diese offiziell nach Deutschland übermittelt werden. Es gibt aber bereits Hinweise darauf, dass einer der Tatorte in Oberfranken liegen könnte. Darauf deuteten die GPS-Daten des Lastwagens des Festgenommenen hin, teilten Polizei und Staatsanwaltschaft Bayreuth am Freitag mit. In diesem Zusammenhang hat die Staatsanwaltschaft nun die Federführung bei den Ermittlungen übernommen.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Nach Informationen der in Bilbao erscheinenden Zeitung „El Correo“ fanden Polizeibeamte am Donnerstag den verbrannten Leichnam einer Frau neben einer Tankstelle unweit der baskischen Ortes Asparrena in der Provinz Álava. Die Tote sollte am Freitag in Vitoria, der Hauptstadt des autonomen Baskenlandes, obduziert und endgültig identifiziert werden. Zuvor hatten spanische Verkehrspolizisten demnach in der Provinz Jaén im Süden des Landes den 41 Jahre alten Fahrer eines Lastwagens mit marokkanischem Kennzeichen festgenommen. Er soll auf dem Weg an die Straße von Gibraltar gewesen sein, um möglicherweise von dort mit einer Fähre nach Marokko überzusetzen. Nach Angaben der baskischen Zeitung soll er den Mord an der jungen Deutschen gestanden und angegeben haben, wo er ihren Leichnam versteckt hat. Er soll eine Überstellung an die deutschen Behörden akzeptiert haben.

          Ein Sprecher der spanischen Guardia Civil bestätigte der Nachrichtenagentur AFP am Freitag die Festnahme eines Lastwagenfahrers im Zusammenhang „mit dem Fund des teilweise verbrannten Leichnams einer Frau nahe einer Tankstelle“ im Baskenland. Die baskischen Ermittler gehen davon aus, dass es sich um die 28 Jahre alte Sophia L. handelt. Der gefundene Leichnam weise Spuren von Gewalt auf, obwohl der Täter offenbar versucht hatte, ihn zu verbrennen, hieß es weiter.

          Marokkanischer Lastwagen schnell im Blick

          Die deutsche Polizei hatte angeblich schon bald den marokkanischen Lastwagen im Blick, in den die vermisste Tramperin bei Leipzig eingestiegen war. Nachdem sich abgezeichnet habe, dass der Fahrer die französische Grenze passierte, wurde ein EU-Haftbefehl ausgestellt. Auf dem gut 1800 Kilometer langen Weg Richtung Süden sei das Fahrzeug, das Experten nun nach Hinweisen durchsuchen, mutmaßlich am Montag aus Frankreich ins Baskenland gelangt. In der Nähe der Autobahn A-1 wurde dann der Frauenleichnam entdeckt.

          Laut „El Correo“ hat der Oberste Strafgerichtshof in Madrid am Freitag Untersuchungshaft ohne Kaution für den Fahrer des Lastwagens gefordert. Als Gründe werden Fluchtgefahr und die Schwere der Tatvorwürfe gegen den Mann genannt. Der Leichnam habe schon starke Verwesungszeichen aufgewiesen, was vermuten lasse, dass die Frau vor einigen Tagen getötet worden war.

          Sophia L. studierte in Leipzig und wollte am vergangenen Donnerstag in ihre Heimat Amberg in der Oberpfalz trampen. Gegen 18 Uhr stieg sie an der Autobahn 9 in einen Lkw, in der Nähe des Autobahnkreuzes Hermsdorf verschickte sie eine SMS an ihre Eltern. Es ist das letzte Lebenszeichen von ihr. Der Fahrer des Lastwagens, in den sie eingestiegen war, hatte zunächst angegeben, Sophia auf einem Rastplatz an der A9 in Bayern wohlbehalten abgesetzt zu haben. Nach der Lage der Dinge aber scheint nun alles ganz anders gewesen zu sein.

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