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Fünf Kinder getötet : Anklage fordert lebenslange Haft für Solinger Mutter

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Die Angeklagte steht am Dienstag im Wuppertaler Landgericht. Bild: dpa

In ihrem Schlussplädoyer hat die Staatsanwaltschaft am Dienstag eine lebenslange Haftstrafe für eine junge Mutter gefordert, die fünf ihrer sechs Kinder getötet haben soll. Die Frau selbst bestreitet die Tat.

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          Im Prozess um den fünffachen Kindermord von Solingen hat die Anklage am Dienstag für die Mutter lebenslange Haft und die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld gefordert. Die 28 Jahre alte Christiane K. habe die drei Mädchen und zwei Jungen im Alter zwischen einem und acht Jahren am 3. September 2020 in der gemeinsamen Wohnung in Solingen-Hasseldelle heim­tückisch umgebracht, sagte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer vor dem Landgericht Wuppertal. Die Opfer seien arglos gewesen, als ihre eigene Mutter sie betäubt und dann ertränkt oder erstickt habe.

          K. hatte seit Beginn der Hauptverhandlung geschwiegen, in ihrer polizeilichen Vernehmung aber ausgesagt, ein unbekannter, mit einem Mund-Nasen-Schutz maskierter Mann sei in die Wohnung eingedrungen, habe sie gefesselt und geknebelt, um dann die Kinder umzubringen. Diese Version sei aber aus einer Reihe von Gründen abwegig, so die Anklage am Dienstag.

          So hatte sich im Oktober auch der Richter geäußert. Zum Motiv hieß es im Plädoyer der Anklage, K. sei enttäuscht darüber gewesen, dass ihr unzuverlässiger Ehemann Pascal in der Nachbarschaft eine neue Lebenspartnerin gefunden hatte. Christiane K. hatte nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft „eine gewisse Sehnsucht nach einer heilen Familie“ und habe „die Flucht in die Mutterrolle“ angetreten. „Sie lebte in einer Art Fassadenwelt, die sie selbst aufgebaut hatte. Nach dem Aus der Fassade waren die Kinder funktionslos geworden.“

          Zwei Gutachter hatten der Angeklagten Ende September volle Schuldfähigkeit bescheinigt. Er habe keine Anhaltspunkte für eine relevante psychische Störung entdecken können, auch nicht am Tattag, sagte der psychiatrische Gutachter. K. sei immer Herrin ihrer Handlungen gewesen. „Es hatte alles seine Ordnung.“

          Zwar ­könne er nicht ausschließen, dass die Angeklagte, wie von ihr vorgebracht, als Kind und Jugendliche Opfer sexueller Übergriffe geworden sei, so der Gutachter. Doch selbst wenn dies zutreffe, habe es bei ihr nicht zu einer psychischen Erkrankung geführt. Die psychologische Gutachterin attestierte K. starke narzisstische Züge. „Sie baut ihr Reich auf und meint die Berechtigung zu haben, es zu zerstören.“ K. sei distanziert und empathielos.

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