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SoKo Madonna : Wie der Papst gegen die Mafia vorgeht

Bei einer Prozession in Palermo wurde gefilmt, wie die Träger der Marienstatue sich vor dem Haus eines Verbrechers verbeugten (Archivbild). Bild: Getty

Immer wieder halten Marienprozessionen in Italien vor den Häusern von Mafiosi, das nennt sich „Verbeugung“. Der Papst will das nun ändern. Die Figur der Maria dürfe nicht dem „Einfluss mafiöser Organisationen“ ausgesetzt sein.

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          Auf den ersten Blick scheint alles in Ordnung zu sein: Eine Prozession bahnt sich hinter einer versilberten Marienstatue ihren Weg durch enge Gassen. Ein Priester betet: „Heilige Maria, Muttergottes, bete für uns Sünder.“ Kurz darauf macht die auf einer Bahre getragene Marienstatue einen fünfminütigen Halt vor einem Bestattungsinstitut. Es könnte eine Verschnaufpause für die Träger sein oder ein kurzfristig anberaumter Stopp, um auf den hinteren Teil der Prozession zu warten – zöge die Prozession etwa durch Passau. Doch sie zieht durch Palermo, und der Inhaber des Bestattunginstituts ist im Nebenerwerb ein stadtbekannter Mafiaboss, der zu diesem Zeitpunkt im Gefängnis sitzt.

          Thomas Jansen

          Redakteur in der Politik.

          Es geht nicht mehr um den Lobpreis der Gottesmutter, sondern um die Huldigung eines Paten. Das kommt vor allem in Süditalien so oft vor, dass sich ein fester Begriff dafür eingebürgert hat: „Verbeugung“ („inchino“) sagt man, wenn Prozessionen mit Statuen der Gottesmutter oder anderer Heiliger vor den Häusern von Mafiabossen anhalten und die Statuen davor geneigt werden, um ihnen die Reverenz zu erweisen.

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