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Warn-Software : Wie man weiß, wo eingebrochen wird

In Hirslanden: Die Polizisten Cadalbert und Herzog prüfen ein Auto. Bild: Johannes Ritter

Ein Softwareprogramm hilft der Zürcher Polizei, den Ort von Einbrüchen vorherzusagen. Auch viele deutsche Städte bekunden Interesse. Doch die Software hat ihren Preis.

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          Vor zwei Tagen ist es passiert: Einbruch im Erdgeschoss einer Stadtvilla in Hirslanden, einem gehobenen Wohnquartier mitten in Zürich. Wuchtige Häuser aus der Jahrhundertwende, umringt von alten Bäumen, künden vom Wohlstand ihrer Besitzer und Mieter. Mit einem Brecheisen wuchteten die Täter die Balkontür aus den Angeln. Am hellen Tage. Wie so oft. Profidiebe kommen am liebsten in der Dämmerung oder eben am Tag, wenn die Bewohner bei der Arbeit sind, also keiner da ist, der sie stört. Und wenn der Beutezug gelingt, kommen die Täter, oft in Banden organisiert, nur allzu gern zurück an die Stätte des Erfolgs.

          Johannes Ritter

          Korrespondent für Politik und Wirtschaft in der Schweiz.

          Deshalb streifen der Korporal Cadalbert und sein jüngerer Kollege Herzog an diesem Herbstnachmittag durch Hirslanden. Dort ist es ruhig, kaum eine Menschenseele ist zu sehen. Doch mit ihrem kundigen Blick nehmen die Zürcher Stadtpolizisten Dinge wahr, die auch Einbrechern ins Auge fallen würden. Im ersten Stock eines Hauses steht die Balkontür offen. Vor dem gleich darunter liegenden Garagendach steht ein Auto, das ein sportlicher Dieb als Stiege nutzen könnte, um blitzschnell in das Zimmer vorzudringen und nach Geld und Schmuck zu suchen, auch auf die Gefahr hin, von den Bewohnern ertappt zu werden. Aber bis diese sich von dem Schreck erholt hätten, wäre der Eindringling schon wieder über alle Berge.

          Die Polizisten mustern die geparkten Autos: meist Wagen der Oberklasse mit Zürcher Kennzeichen. Das passt. Doch dann entdecken sie einen älteren, mausgrauen Mittelklassewagen mit deutschem Kennzeichen. Das erregt ihren Verdacht. Sie mustern den Innenraum – und entdecken den Anwohnerparkschein. Entspannung. Hätte an gleicher Stelle ein Lieferwagen mit rumänischem Kennzeichen gestanden, wäre die Reaktion anders ausgefallen. Die meisten Diebesbanden, die in Deutschland, Frankreich und eben auch der Schweiz ihr Unwesen treiben, kommen immer noch aus Osteuropa.

          „Wenn verdächtige Personen uns sehen, verlassen sie das Quartier“

          Ein junger Mann kommt den Polizisten entgegen. Sportjacke, krumpliger Kragen, schwarze Jeans – etwas zu schlampig für diese Gegend. Herzog spricht ihn an: „Wo kommen Sie gerade her? Wohnen Sie hier?“ Der Mann zeigt auf ein Haus in der Nähe und antwortet auf Schweizerdeutsch: „Ich arbeite da vorne, eine Werbeagentur.“ Das ist glaubhaft. Stufe zwei, die Ausweiskontrolle, ist nicht notwendig. „Noch einen schönen Tag!“

          An diesem Nachmittag geht den bewaffneten Ordnungshütern kein Verbrecher ins Netz. Das hatten sie freilich auch nicht erwartet. Viel auffälliger als im Streifenwagen und in blauer Uniform kann man ja kaum unterwegs sein. „Wenn verdächtige Personen uns sehen, verlassen sie das Quartier“, sagt der Korporal mit Blick auf die Abschreckungsstrategie, die hinter dem Patrouilleneinsatz steckt.

          Ihren konkreten Einsatzort haben sich die beiden Polizisten selbst ausgesucht. Dabei konnten sie aus verschiedenen Vorschlägen wählen, die der Computer mit Hilfe einer deutschen Software namens „Precobs“ ausgearbeitet hatte. Precobs („pre crime observation system“) ist ein Programm zur Vorhersage von Einbrüchen. Das erinnert an „Minority Report“, den Film mit Tom Cruise, in dem „Precogs“ Morde vorhersehen, die noch gar nicht begangen wurden.

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