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So kamen wir ihm auf die Spur : Der falsche F.A.Z.-Journalist

Der Unbekannte, der sich als F.A.Z.-Redakteur ausgab, war schwer zu enttarnen (Symbolbild). Bild: HAMILTON/REA/laif

Jahrelang schlich sich ein Fremder mit dem Namen unseres Autors auf Feiern, Filmfestspiele und Events. Jetzt stand der Schwindler vor Gericht – und unser Autor wurde als Zeuge befragt. Wie hat er das erlebt?

          7 Min.

          Es ist Mitte September, als ich ihm erstmals begegne. Ein großgewachsener, leicht untersetzter Mann schreitet zügig den Flur entlang, er verdeckt sein Gesicht mit einem Blatt Papier und betritt dann den Saal 23 E des Amtsgerichts Frankfurt am Main. Eine gute halbe Stunde später darf auch ich Platz nehmen. Ich bin als Zeuge geladen und erzähle nun, was sich aus meiner Sicht zugetragen hat. Der „falsche Hase“, wie ich ihn nenne, sitzt vorn links auf der Anklagebank und würdigt mich zunächst keines Blickes. Er ist 61 Jahre alt, trägt Sakko, ein rosa-weiß kariertes Hemd und ein passendes Einstecktuch, Schnallenschuhe und einen fetten Siegelring. Typ Heiratsschwindler, kommt mir sofort in den Sinn. Dann fragt der Richter, ob jemand Fragen hat, und der falsche Hase wendet sich direkt an mich: „Das ist ja total furchtbar, was Ihnen passiert ist“, sagt er mit lauter, fester Stimme. „Warum haben Sie denn nicht viel früher was dagegen getan?“

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Nun, das habe ich, und es gibt ganz sicher fürchterlichere Dinge. Unangenehm, rufschädigend und bisweilen äußerst peinlich sind eher Kategorien für das, was vor rund acht Jahren begann und nun in diesem Gerichtssaal hoffentlich ein Ende findet. Acht Jahre Jagd nach einem Phantom, das sich regelmäßig immer dann in Erinnerung rief, wenn ich nicht mehr daran gedacht hatte. Alles begann Ende 2012, als mich Kollegen, die regelmäßig über Mode schreiben, darauf aufmerksam machten, dass mein Name mitsamt der F.A.Z. auf Gästelisten diverser Mode-Events aufgetaucht sei. Von einem „Gucci-Abend“ auf der Berlinale war unter anderem die Rede und der Verleihung der GQ-Awards in München. Ich war noch nie auf der Berlinale, ich lebe in Dresden und berichte vor allem über Politik. Mode ist nicht mein Metier. Ich dachte an eine Verwechslung, bis zwei Monate später ein Anruf kam. Die PR-Managerin eines Münchner Luxuskonzerns erkundigte sich, wie es mir auf der „Champagner-Whiskey-VIP-Party“ bei den Filmfestspielen in Cannes gefallen habe, wie „die Nacht im Belvedere“ gewesen sei und ob denn – eventuell – auch noch ein Text dazu erscheine.

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