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Sklavenhalter der Moderne : Die brutale Sex-Sekte ist am Ende

  • -Aktualisiert am

Der Angeklagte Keith Raniere (Mitte), wie ihn die Gerichtszeichnerin Elizabeth William bei seiner Anhörung sah. Bild: AP

Sexsklavinnen, Frauen in Käfigen, bedingungsloser Gehorsam: In Brooklyn steht der Anführer einer brutalen Sex-Sekte vor Gericht. Dessen Taten sind ein erschreckendes Beispiel für lukrative Gehirnwäsche und erzwungene Unterwerfung.

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          Anschuldigungen gab es seit Jahren. „Ich halte das Ganze für eine Sekte“, sagte der Milliardär Edgar Bronfman senior 2003, als das Magazin „Forbes“ ihn nach der Bewegung Nxivm fragte. Bronfman, früher Chef des kanadischen Alkoholimperiums Seagram's und als Vorsitzender des Jüdischen Weltkongresses lange mit der Jagd auf Kurt Waldheim beschäftigt, kannte sich aus. Er hatte selbst Kurse des „Executive Success Program“ von Nxivm-Führer Keith Raniere besucht, die von Ende der neunziger Jahre an als Inspiration für Führungskräfte gefeiert wurden. Bronfmans Töchter Clare und Sara gehörten zu den Jüngern des selbsternannten Gurus. Sie überließen ihm nicht nur geschätzte 150 Millionen Dollar des Familienvermögens. Wie die stellvertretende Bezirksstaatsanwältin Tanya Hajjar in ihrem Eröffnungsplädoyer vor dem Bundesgericht in Brooklyn zusammenfasste, halfen die Schwestern auch, Sexsklavinnen für Raniere zu rekrutieren.

          Mehr als 15 Jahre nach den ersten Hinweisen des inzwischen verstorbenen Bronfman senior muss Raniere sich nun wegen Menschenhandels, Kinderpornographie und weiterer Verbrechen vor Gericht verantworten. Der Achtundfünfzigjährige soll die vermeintliche Selbsthilfebewegung Nxivm (ausgesprochen „Nexium“) mit Sitz in Albany bei New York vor allem dazu benutzt haben, sich selbst zu helfen. Laut Staatsanwaltschaft verlangte er von seinen Anhängern Geld, neue Jünger und bedingungslosen Gehorsam. Eine Gruppe Frauen, unter ihnen die „Smallville“-Darstellerin Allison Mack, soll er als persönlichen Harem gehalten haben. Unter dem Beinamen Vanguard (Vorreiter) zwang er die „Sklavinnen“ laut Anklage zu sexuellen Handlungen, ließ sie hungern und brannte ihnen seine Initialen in die Haut. „Er gab vor, ein Guru zu sein. Er war aber nur ein Krimineller“, sagte die Staatsanwältin.

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