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In Australiens Bergbaucamps : Von Kumpeln belästigt und missbraucht

Eine Bergbaumine in Australien. Bild: AFP

Nächtliches Klopfen, Betatschen und sogar Vergewaltigung: In den Bergbaucamps „down under“ wurde eine deutliche Mehrheit der Mitarbeiterinnen schon einmal sexuell belästigt. Die Ergebnisse eines staatlichen Berichtes sind erschreckend.

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          Die Bergbauregionen in Westaustralien liegen in der Regel im Outback, weit abge­legen von menschlichen Siedlungsgebieten. Viele der Beschäftigten leben deshalb nicht vor Ort, sondern werden oft für mehrere Wochen am Stück ein- und wieder aus­geflogen. „Fly-in-fly-out“ (FIFO) nennt sich diese Praxis. Die Arbeitseinsätze sind durch lange Arbeitstage, Langeweile und oft auch Alkoholkonsum geprägt. Nun hat ein staatlicher Bericht Aufschluss darüber gegeben, wie Frauen unter diesen Arbeitsbedingungen mit sexueller Belästigung, Erniedrigung und sogar Missbrauch konfrontiert sind. „Es ist völlig unentschuldbar und einfach schockierend, dass dies im 21. Jahrhundert in einer der lukrativsten Industrien des Bundesstaats vorkommt“, sagte die Abgeordnete Libby Mettam bei der Vorstellung des Berichts im Regionalparlament in Perth. Einige der in dem Be­richt genannten Unternehmen wie BHP und Rio Tinto gehören zu den größten Bergbaukonzernen der Welt.

          Till Fähnders
          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Das Problem sei viel größer und schwerwiegender, als sie erwartet habe, schreibt die Abgeordnete, die ein Untersuchungskomitee zu dem Thema führt, zudem in ihrem Vorwort zu dem Bericht. Das Problem werde „üblicherweise hingenommen oder übersehen“. In dem Untersuchungsbericht schildern Frauen ihre „Horror­ge­schichten“, etwa von Männern, die in der Nacht an ihre Türen klopfen und ohne Er­laubnis eintreten, die ihre Unterwäscheschubladen durchwühlen und sie beim Du­schen filmen. „Ich habe an etwa einem halben Dutzend Standorten gearbeitet. Ich kann wahrheitsgemäß sagen, dass ich an je­dem einzelnen sexuell belästigt wurde“, sagte eine der Befragten. „Ein Mann steckte vor anderen Arbeitern mehrfach seine Hand unter mein Oberteil. Niemand tat etwas“, berichtete eine andere. In einem be­sonders heftigen Fall war eine Frau in ihrer Unterkunft ohnmächtig geschlagen worden. Als sie aufwachte, waren ihre Jeans und ihre Unterwäsche bis auf die Fußknöchel heruntergezogen.

          Ein Versagen von Industrie und Regierung

          Nach einem Bericht der Australiens Menschenrechtskommission aus dem Jahr 2020 hatten 74 Prozent der Frauen in der Branche an­gegeben, Opfer von Belästigung geworden seien. In vielen Fällen seien es die hierarchischen Machtstrukturen, die verhinderten, dass Fälle sexueller Belästigung gemeldet und aufgeklärt würden, heißt es in dem parlamentarischen Untersuchungsbericht. Eine Frau berichtete von einem Vorgesetzten, der ihr im Austausch für sexuelle Ge­fälligkeiten Beförderungen und andere Vor­teile in Aussicht gestellt habe. Minenarbeiterinnen, die sich nicht auf die Avancen einließen, würden durch „Shovelling“ bestraft, wobei Eisenerz auf den Fahrersitz ihres Trucks geschaufelt werde. „Dies re­präsentiert das Versagen der Industrie, ihre Arbeiter zu schützen, und wirft die Frage auf, warum die Regierung nicht besser über dieses Sicherheitsproblem im Bilde ist“, schrieb die Abgeordnete Mettam in ihrem Vorwort.

          Der Bericht listet dann weitere Übertretungen auf, wie die Platzierung von Sexpuppen und Sexspielzeugen an den Türen und Eingängen der Frauenunterkünfte, die Zuspielung von Textnachrichten und Materialien mit sexuellen Inhalten, außerdem Stalking und unerwünschtes Anfassen. In dem Bericht werden die Unternehmen aufgefordert, mehr für die Sicherheit der Frauen am Arbeitsplatz zu tun. BHP, Rio Tinto und der australische Fortescue-Konzern bauen in der weitläufigen Pilbara-Region Eisenerz im Tagebau ab.

          In dem Bericht werden einige Empfehlungen gegeben, wie sie besser gegen die se­xuelle Belästigung vorgehen können. Dazu gehören Maßnahmen wie bessere Un­terkünfte, die Anbringung von Überwachungskameras und zusätzlicher Beleuchtung sowie die Regulierung des Alkoholkonsums. Darüber hinaus müssten die Ge­setzeslage verbessert und eine Expertengruppe eingesetzt werden, die Fälle sexueller Belästigung untersuchen solle.

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