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Härteres Sexualstrafrecht : Eine Hand im Schritt, ein Bein im Gefängnis

Ein Festzelt beim Oktoberfest in München Bild: dpa

2017 verdoppelte sich die Zahl der registrierten Sexualdelikte auf dem Oktoberfest. Das lag auch am geänderten Sexualstrafrecht. Das Urteil gegen einen Grapscher zeigt jetzt die Folgen der Gesetzesänderung.

          Am Autoscooter machte der Mann einfach so weiter. Ihre Freundinnen hatten es beobachtet, und das war der Grund, warum die Frau, die eigentlich keine Anzeige erstatten wollte, doch die Polizei rief. Seit dem Vorfall auf dem Oktoberfest in München im vergangenen Jahr fühlt sich die Frau in Menschenmengen nicht mehr wohl. Und seitdem hat sie ein Problem damit, wenn jemand hinter ihr steht.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Der Mann, um den es geht, wäre vor kurzem noch mit dem Vorwurf der „Beleidigung auf sexueller Grundlage“ konfrontiert gewesen. Es ist fraglich, ob er überhaupt in Untersuchungshaft gekommen wäre. Doch seit der Kölner Silvesternacht und seit der Ausweitung des Sexualstrafrechts im November 2016 ist gewissermaßen ein neuer Sheriff in der Stadt.

          Nach seiner Festnahme auf der Theresienwiese verbrachte der Mann vier Monate in Untersuchungshaft. Und im Februar, das teilte das Amtsgericht München in dieser Woche mit, wurde er wegen sexueller Belästigung in zwei Fällen und vorsätzlicher Körperverletzung zu einer achtmonatigen Freiheitsstrafe verurteilt, ausgesetzt zur Bewährung.

          Grapschern drohen bis zu 5 Jahren Haft

          Was war passiert? Am 17. September 2017 besuchte der Mann, ein 38 Jahre alter, unverheirateter Hotelangestellter, das Oktoberfest. Begleitet wurde er von drei Freunden, alle über 30. Als sie ein Bierzelt verließen, trafen sie auf drei Frauen im Alter von etwa 40 Jahren. Alle trugen ein Dirndl. Völlig unvermutet griff der Hotelangestellte einer der Frauen von hinten fest in den Schambereich: Sie erschrak – auch über den Schmerz, da der Griff durch den dünnen Stoff nicht gemildert wurde –, drehte sich um und beschimpfte den Mann. Er lachte über ihre schockierte Reaktion, ebenso wie seine Begleiter. Einer seiner Freunde äffte die Frau noch nach. Dann zogen die Männer weiter.

          In der Nähe des Autoscooters steuerten sie ein Mädchen an. Sie stand dort allein, mit dem Rücken zu den Männern. Der Mann griff auch ihr von hinten in den Schritt, sie sprang erschreckt hoch. Wenig später traf die Polizei ein. Alle Männer wurden noch auf der Theresienwiese festgenommen, alle vier kamen in Untersuchungshaft: Verdunklungsgefahr, man wollte vermeiden, dass sie sich absprechen. Gegen zwei der Männer wurde das Verfahren später eingestellt. Der Mann, der die Frau noch nachgeäfft hatte, wurde wegen Beihilfe zur sexuellen Belästigung zu einer Geldstrafe verurteilt. Er hat, ebenso wie die Staatsanwaltschaft, gegen das Urteil Berufung eingelegt.

          Wenn es einen Ort in Deutschland gibt, wo der Begriff „Grapschen“ mit Leben gefüllt wird, dann ist es das Oktoberfest in München. Bis zur Verschärfung des Sexualstrafrechts galt es jedoch meist als „Beleidigung auf sexueller Grundlage“. Seitdem ist aus dem Grapschen eine sexuelle Belästigung geworden. Geändert haben sich dadurch vor allem zwei Dinge. Der mögliche Strafrahmen hat sich im Vergleich zur Beleidigung deutlich erhöht: Bei einem besonders schweren Fall kann der Übergriff mit bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe geahndet werden.

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