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Sex-Skandal bei Oxfam : 26 neue Fälle aufgetaucht

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Nach dem Sex-Skandal der Hilfsorganisation hat die Schweiz ihre Zahlungen an Oxfam eingestellt. Bild: AFP

Der Sex-Skandal bei Oxfam weitet sich aus: neue Fälle sind bekannt, tausende Spender springen ab. Auch ein weiteres Land stellt seine Zahlungen an die Hilfsorganisation ein.

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          Die britische Hilfsorganisation Oxfam untersucht 26 weitere Fälle sexuellen Fehlverhaltens von Mitarbeitern. Das sagte der britische Chef der Organisation, Mark Goldring, am Dienstag einem Parlamentsausschuss in London. Es handele sich um ältere, aber auch jüngere Vorfälle, die Mitarbeiter noch nicht gemeldet hätten. Davon betreffen 16 die internationale Programme des internationalen Verbundes von Hilfs- und Entwicklungsorganisationen.

          Goldring entschuldigte „von ganzem Herzen“ sich für das Verhalten von Oxfam-Mitarbeitern gegenüber Frauen nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti im Jahr 2010. Einem Report zufolge kam es dort unter anderem zu sexueller Ausbeutung, Belästigung und Einschüchterung durch Oxfam-Mitarbeiter, die den Menschen in dem Land Nothilfe leisten sollten. Sieben Mitarbeiter, darunter der Oxfam-Leiter für Haiti, mussten gehen. Am Montag hat sich Oxfams Regionaldirektor für Lateinamerika und die Karibik offiziell bei Haiti entschuldigt.

          Der Skandal beschäftigt inzwischen auch die Politik. Es gab bereits ein Gespräch der Oxfam-Führung mit Regierungsvertretern, am Dienstag behandelte das Unterhaus die Affäre. Zudem seien binnen zehn Tagen 7000 regelmäßige Spender abgesprungen, erklärte Goldring.

          Die Schweiz hat nun wegen des Skandals ihre Zahlungen an die Hilfsorganisation eingestellt. Das Departements für Auswärtige Angelegenheiten fordert „eine lückenlose Aufklärung der Vorkommnisse“, sagte ein Sprecher am Dienstag. „Bis die Resultate vorliegen, wird die Schweiz keine Leistungen an Oxfam leisten.“ Die Schweiz hat Oxfam zwischen 2013 und 2017 mit knapp 20,4 Millionen Franken (heute knapp 18 Millionen Euro) unterstützt.

          Auch für sein eigenes Verhalten entschuldigte sich Goldring. Er hatte in einem Interview der Zeitung „The Guardian“ gesagt, seine Organisation werde angegriffen, als ob sie „Babys in ihren Bettchen ermordet“ hätte. Kritiker warfen ihm vor, er spiele den Skandal herunter. „Ich war unter Stress“, erklärte Goldring sein Verhalten. Im Tschad soll es ebenfalls sexuelles Fehlverhalten gegeben haben. Die britische Oxfam-Vizechefin Penny Lawrence war wegen des Skandals zurückgetreten.

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