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Ausbeutung von Frauen : „Sex-Kult“-Gründer Raniere zu 120 Jahren Haft verurteilt

  • Aktualisiert am

Keith Raniere (vorne) im Gericht in Brooklyn neben seinem Anwalt Marc Agnifilo Bild: Reuters

Getarnt als Leiter einer Selbstfindungsgruppe soll Keith Raniere über Jahre hinweg Frauen sexuell ausgebeutet – und sie sogar mit seinen Initialen gebrandmarkt haben. Nun wurde der 60-Jährige zu einer Freiheitsstrafe von 120 Jahren verurteilt.

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          Der Selbsthilfe-Guru Keith Raniere, der Anhängerinnen wie Sex-Sklavinnen ausbeutete, ist in den Vereinigten Staaten zu 120 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Ein Bundesrichter in New York verhängte die lebenslange Haftstrafe am Dienstag gegen den Gründer der sektenähnlichen Organisation Nxivm. Der 60-Jährige war im Juni 2019 in sieben Anklagepunkten schuldig gesprochen worden, darunter Sexhandel, sexuelle Ausbeutung einer 15-Jährigen und Bildung einer kriminellen Vereinigung.

          Raniere soll die von ihm gegründete Selbsthilfegruppe Nxivm als Deckmantel genutzt haben, um Frauen sexuell ausbeuten zu können. Er soll zwischenzeitlich bis zu 20 Frauen wie Sex-Sklavinnen gehalten haben. Seinen Besitzanspruch machte er mitunter mit Brandzeichen auf der Haut seiner Jüngerinnen deutlich. Ehemalige Anhängerinnen kritisierten Raniere am Dienstag vor Gericht scharf. India Oxenberg, die Tochter der Schauspielerin Catherine Oxenberg aus der Fernsehserie „Denver-Clan“, klagte, sie werde möglicherweise den Rest ihres Lebens mit Ranieres Initialen bei sich eingebrannt leben.

          Raniere hatte Nxivm (sprich: Nexium) Ende der 1990er im Bundesstaat New York gegründet. Der charismatische Anführer zog zahlreiche prominente und wohlhabende Frauen in seinen Bann. Mitglieder zahlten bis zu 5000 Dollar für einen fünftägigen Selbsthilfekurs. Viele Frauen wurden von Raniere aber finanziell und sexuell ausgebeutet. Sie mussten kompromittierende Fotos, Briefe und andere Dokumente abgeben, sodass Raniere sie veröffentlichen konnte, falls die Frauen Nxivm verlassen wollten.

          India Oxenberg vor Gericht in Brooklyn
          India Oxenberg vor Gericht in Brooklyn : Bild: Reuters

          In einer von Raniere gegründeten Unterorganisation namens DOS wurden Frauen als „Sklavinnen“ und er selbst als „Großmeister“ bezeichnet. Die Frauen mussten stets für Sex mit ihm bereitstehen. Sein jüngstes Opfer war 15 Jahre alt.

          Raniere hat die Vorwürfe gegen sich stets zurückgewiesen. In einem vor der Verhängung des Strafmaßes eingereichten Brief zeigte er sich vielmehr „stolz“ auf sein „Lebenswerk“. Er habe nie jemandem absichtlich Schaden zugefügt, der Sex sei stets einvernehmlich gewesen. Ranieres Anwälte sagten dazu, die von der Staatsanwaltschaft geforderte lebenslange Haftstrafe sei übertrieben. „Auf niemanden wurde geschossen oder eingestochen, niemand wurde geschlagen, getreten oder auch nur angeschrien“, argumentierten Sie. „Trotz der Sex-Straftaten gibt es keine Beweise, dass eine Frau jemals Keith Raniere sagte, dass sie ihn nicht küssen oder anfassen wolle, seine Hand halten oder Sex mit ihm haben.“

          Raniere war im Oktober 2017 nach Mexiko geflüchtet, nachdem sich einige Mitglieder befreien konnten und die „New York Times“ die Aktivitäten der Organisation enthüllt hatte. Er wurde im folgenden Jahr in einer Luxusvilla im Badeort Puerto Vallarta festgenommen.

          Über Raniere und Nxivm sind schon zwei Doku-Serien erschienen, eine davon im Bezahlsender HBO. Im Zuge der juristischen Aufarbeitung des Skandals haben sich fünf Mitangeklagte Ranieres schuldig bekannt, unter ihnen die aus den TV-Serien „Smallville“ und „Wilfred“ bekannte Schauspielerin Allison Mack. Ende September wurde die kanadische Spirituosen-Erbin Clara Bronfman, die Raniere jahrelang unterstützt hatte, zu fast sieben Jahren Haft verurteilt.

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