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Sex and Crime : Spurensuche an Hollywoods Tatorten

  • -Aktualisiert am

Als Chris Brown Rihanna schlug

Ein paar Busminuten südlich treibt der Morgen des 8. Februar 2009 dem Sechzigjährigen die Zornesröte ins Gesicht. Während eines Streits mit seiner Beifahrerin, der Grammy-Preisträgerin Rihanna, lenkte Chris Brown seinen silberfarbenen Lamborghini damals in die North June Street, eine ruhige Wohnstraße seitlich des Beverly Boulevard. „Er schlug immer wieder mit Fäusten auf sie ein, biss ihr in Arm und Finger und stieß sie dann aus dem Wagen. Sie lief blutend und orientierungslos von Haus zu Haus, bis ein Bewohner die Polizei alarmierte“, fasst Donnelly den spektakulärsten öffentlichen Fall häuslicher Gewalt in Hollywood zusammen. „Ein Fall von ,Tainted Love'.“

Hier feuerte der Mann drei Schüsse auf Rebecca Schaeffer ab.

Beamte brachten die Sängerin („Umbrella“) nach der Prügelei in das Cedars-Sinai Medical Center. Ihren Auftritt bei der Grammy-Verleihung einige Stunden später sagte Rihanna ab. Die Fotos ihres blutunterlaufenen Gesichts, die angeblich von zwei Beamtinnen des LAPD an die Klatschpresse weitergereicht wurden, lösten in den Vereinigten Staaten eine Debatte über häusliche Gewalt aus. Obwohl sich die damals Zwanzigjährige weigerte, gegen den Rapper („Grass Ain‘t Greener“) auszusagen, verurteilte ein kalifornisches Gericht ihn einige Monate später zu einer fünfjährigen Bewährungsstrafe. Die Organisation Stoparazzi versuchte, ein Gesetz auf den Weg zu bringen, das ein Zurschaustellen privater Bilder wie von Rihannas geschundenem Gesicht auf Klatschportalen verbietet. Es blieb bei dem Versuch.

Zwei Jahrzehnte vor der Debatte über „Rihanna‘s Law“ hatte der Tod des Nachwuchsstars Rebecca Schaeffer in Kalifornien die ersten Gesetze gegen Stalking ausgelöst. „Schaeffer wurde damals an ihrer Tür von einem verrückten Fan erschossen“, erzählt Donnelly und zeigt auf ein Haus an der North Sweetzer Avenue. Ihr Mörder Robert John Bardo spürte die 21 Jahre alte Schauspielerin in West Hollywood auf, nachdem Mitarbeiter der Kraftfahrzeugbehörde ihm ihre Adresse gegeben hatten.

Als die Hauptdarstellerin der Serie „My Sister Sam“ dem Fan am 18. Juli 1989 die Tür öffnete, warf sie ihm vor, er raube ihr Zeit – schon einen Tag zuvor hatte der Neunzehnjährige versucht, Schaeffer bei Dreharbeiten zu besuchen. „Er feuerte drei Schüsse auf Rebecca ab und verschwand“, sagt Donnelly. Bardos Verhaftung einige Stunden später folgte ein Prozess, der Ende 1991 mit lebenslanger Haft endete. Seine Strafe verbüßt Schaeffers Mörder heute im kalifornischen Ironwood State Prison.

Das sind die beliebtesten Geschichten in Hollywood: der Mord der Brüder Lyle und Erik an ihren Eltern Kitty und Jose Menéndez, der Los Angeles vier Wochen nach Schaeffers Tod erschütterte; die Verbrechen an O. J. Simpsons früherer Ehefrau Nicole Brown; die Ermordung von Sharon Tate; der Tod von Phil Spectors Freundin Lana Clarkson. Aber woher diese Obsession für Tatorte und Leichenfotos? „Hollywood liebt seine Toten“, sagt Donnelly. „Wie ein guter Film haben sie immer eine spannende Geschichte.“

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