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Festnahme in Schwäbisch Hall : Drei tote Seniorinnen – und ein Verdächtiger

  • -Aktualisiert am

Beamte der Spurensicherung sind Ende Januar nach dem Tod einer Seniorin in Schwäbisch Hall im Einsatz. Bild: dpa

Der Tod von zwei Seniorinnen hat in Schwäbisch Hall für Verunsicherung gesorgt. Nun hat die Polizei einen Verdächtigen festgenommen. Womöglich ist er auch in einen dritten Fall verwickelt. Sein Motiv ist noch unklar.

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          Im Dezember zog ein 31 alter Serbe mit seiner Frau und zwei Kindern in das Wohngebiet Tullauer Höhe in Schwäbisch Hall. Er nahm sich eine Wohnung in einem zehngeschossigen Hochhaus. Aus den Wohnungen hat man einen schönen Blick auf die Haller Altstadt und den Fluss Kocher. Am Dienstagmittag rückten vor dem Haus Ermittler der Polizei an und nahmen den Mann vorerst in Gewahrsam. Denn sie halten ihn für einen Serienmörder, der in der Region im Norden Baden-Württembergs mindestens zwei Seniorinnen ermordet haben soll.

          Rüdiger Soldt
          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          Am Mittwoch standen dann die Autos der Kriminaltechniker noch immer in der Siedlung aus den Siebzigerjahren, zu der bungalowartige Reihenhäuser gehören und eben einige Hochhäuser. Im großen Sitzungssaal der Blendstatthalle präsentierten Polizei und Staatsanwaltschaft die bisherigen Ermittlungsergebnisse der „Soko Höhe“: „Bei allem Leid dürfen wir Ihnen nach mehreren Wochen der Ver­unsicherung nun mitteilen, dass wir am Dienstagmittag einen 31 Jahre alten serbischen Staatsbürger festnehmen konnten.“ Der Haftbefehl sei vollzogen.

          Rätsel um das Motiv

          Der mutmaßliche Täter soll am 25. Januar in Michelbach an der Bilz, knapp zehn Kilometer von der Tullauer Höhe entfernt, eine 89 Jahre alte Frau in der Erdgeschosswohnung eines Mehrfamilienhauses getötet haben. Und am 23. Dezember vergangenen Jahres soll er im Haller Stadtteil Hagenbach auf der Tullauer Höhe die 77 Jahre alte Heidemarie K. ermordet und aus ihrer Wohnung einen dreistelligen Geldbetrag gestohlen haben. Die Wohnung des Opfers liegt knapp 200 Meter von dem Hochhaus entfernt, in dem der Verdächtige lebte.

          Im Fall der 89 Jahre alten Frau in Michelbach handelt es sich nach Auffassung der Staatsanwaltschaft um Totschlag, bei der Toten aus Schwäbisch Hall um Mord, weil dem Täter in diesem Fall das Mordmerkmal Habgier nachgewiesen werden könne. Außerdem soll der Mann am 17. Januar noch einen Mann mit einer Schusswaffe bedroht haben. Maßgeblich für den Fahndungserfolg der „Soko Höhe“ waren DNA-Spuren und ein offenbar realistisches Phantombild; der Hinweis, der schließlich zur Festnahme führte, soll aus der Nachbarschaft gekommen sein.

          Rätselhaft sind die Motive des mutmaßlichen Serienmörders. Handelte er als Einzeltäter? Warum brachte er seine Familie mit nach Deutschland? Trieb ihn materielle Not zu diesen Taten? „Der Verdächtige hat zum Tatmotiv noch keine Angaben gemacht“, sagte Oberstaatsanwalt Harald Lustig am Mittwoch.

          Gibt es ein drittes Opfer?

          In Deutschland war der Mann bislang nicht polizeibekannt. Ob er in Serbien schon einmal straffällig geworden ist, prüfen die Ermittler derzeit gemeinsam mit der serbischen Polizei. Der Verdächtige spricht kein Deutsch, und er muss als Tourist eingereist sein. „Diese Erkenntnis, dass er im Dezember 2022 eingereist ist, stammt vom Tatverdächtigen selbst. Man muss klären, ob er früher nach Deutschland gekommen ist“, sagte der Oberstaatsanwalt. Wer aus Serbien nach Deutschland einreist, darf sich 90 Tage aufhalten.

          Die Umstände seines Aufenthalts in Deutschland sind auch deshalb von Bedeutung, weil der Verdächtige möglicherweise noch einen dritten Mord verübt haben könnte: Am 14. Oktober 2020 starb nämlich die 94 Jahre alte Millionärin Elfriede Huchler. Sie lebte in einer Penthouse-Wohnung in der Nähe des Hochhauses auf der Tullauer Höhe. Es handelt sich um die Straße, in die der Verdächtige später zog. Angeblich konnte er die Wohnung der in Schwäbisch Hall bekannten Brauerei-Erbin von seiner Wohnung aus sehen.

          Nach ihrer Ermordung setzte die Polizei die Sonderkommission „Ring“ ein, die ermittelte bis 2021 intensiv, von mehr als 100 Personen aus dem Umfeld des Opfers sollen DNA-Proben genommen worden sein. Doch einen Täter konnten die Kripo-Beamten damals nicht ausfindig machen. Vor anderthalb Jahren löste die Polizei die Soko auf. Jetzt steht dieser Mord wieder im Fokus der Ermittlungen.

          Warum die Ermittler trotz guter DNA-Spurenlage noch nicht sagen können, ob auch der dritte Mord von dem Mann begangen worden ist, blieb am Mittwoch unklar. „Bei der DNA können sehr unterschiedliche Qualitäten vorliegen“, sagte Kriminaloberrat Jörg Meinhardt. Aufgeklärt werden muss jetzt, ob sich der Verdächtige schon vor Dezember 2022 in Deutschland, in der Region Hohenlohe oder in Schwäbisch Hall aufgehalten hat.

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