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Florida : 50 Tote nach Schüssen in Schwulenclub

  • Aktualisiert am

Banges Warten: Jermaine Towns (li.) and Brandon Shuford warten Sonntagnacht in der Nähe des Clubs Pulse in Orlando auf Neuigkeiten über die Schießerei. Bild: AP

In einem Nachtclub in Florida hat ein Mann um sich geschossen und etwa 50 Personen getötet. Auch der Angreifer lebt nicht mehr. Der Vater des mutmaßlichen Täters spricht von einem Verbrechen aus Hass.

          Ein Mann hat in einem Schwulenclub in Florida 50 Menschen erschossen.Weitere 53 Menschen wurden bei der Schießerei verletzt, wie Orlandos Bürgermeister Buddy Dyer mitteilte. Das Motiv des Täters war zunächst unklar. Der Schütze wurde etwa drei Stunden nach Beginn der Tragödie in einem Feuergefecht mit Polizisten getötet. Er hatte der Polizei zufolge zuvor Dutzende Geiseln genommen.

          Ein Vertreter des amerikanischen Bundeskriminalamts FBI sagte, das Verbrechen werde als ein möglicher „Akt des Terrorismus“ untersucht. Dabei gehe es auch um etwaige Verbindungen zum islamischen Terrorismus, nichts werde ausgeschlossen: „Wir prüfen alle Aspekte.“

          Wie die New York Times berichtete, sei der Täter identifiziert. Sein Name sei Omar Mateen und er sei ein in Florida lebender amerikanischer Staatsbürger. Wie die deutsche Presseagentur unter Berufung auf amerikanische Medienberichte berichtete, stammen seine Eltern aus Afghanistan.

          Der Vater des mutmaßlichen Attentäters von Orlando hat Hass auf Schwule als mögliches Motiv genannt, religiöse Beweggründe aber ausgeschlossen. „Dies hatte nichts mit Religion zu tun“, sagte Mir Seddique am Sonntag dem Nachrichtensender CBS News.

          Sein Sohn, Omar Seddique Mateen, sei kürzlich über eine Paar Männer aufgebracht gewesen, die sich vor seiner Frau und seinem Sohn geküsst hätten. „Wir wussten von nichts, wir sind ebenso schockiert wie das ganze Land“, sagte Seddique, der im Namen der ganzen Familie für die Geschehnisse um Entschuldigung bat.

          Orlandos Bürgermeister Buddy Dyer (links) und Polizeichef John Mino (Mitte) gaben am Sonntag die Opferzahlen bekannt.

          Präsident Barack Obama wies das FBI an, ihn kontinuierlich über den Fortgang der Ermittlungen in Orlando zu informieren, teilte das Präsidialamt mit. Zuvor habe das Heimatschutzministerium Obama einen ersten Überblick über das Geschehen gegeben.

          Die ersten Schüsse fielen um 2.00 Uhr nachts

          Der Polizei zufolge hatte der Täter gegen zwei Uhr nachts mit einer sturmgewehrähnlichen Waffe im Club „Pulse“ im Herzen der Stadt zu schießen begonnen. Zunächst habe sich ein einzelner Polizist mit ihm ein Feuergefecht geliefert, dann seien zwei weitere Beamte hinzugekommen. Einer von ihnen sei verletzt worden. Der Schütze habe dann Geiseln genommen. Die Polizei habe sich nach ungefähr drei Stunden zu einer gewaltsamen Befreiung entschieden.

          Dem örtlichen Polizeichef John Mina zufolge verschafften sich die Einsatzkräfte mit Hilfe eines Sprengsatzes Zugang. Der Täter sei in der Nähe einer Eingangstür gewesen und in einem Feuergefecht getötet worden. „Mindestens 30 Geiseln konnten durch die Aktion gerettet werden“, sagte Mina. Wie der Polizeichef weiter mitteilte, trug der Täter eine „verdächtige Vorrichtung“ am Körper, die untersucht werde.

          Über den Schützen sagte der Polizeichef lediglich, dass er nicht aus Orlando stamme. Allem Anschein nach sei er „sehr gut organisiert und vorbereitet gewesen“. Es gab nach Minas Worten zunächst keine Hinweise darauf, dass der Schütze aus Hass gegen Homosexuelle handelte, aber natürlich werde auch in dieser Richtung ermittelt.

          Der Club war Mina zufolge in der Nacht gut besucht. Er sprach von mehr als 300 Menschen. Medienberichten stand eine „Latin Night“ auf dem Programm, eine Nacht mit lateinamerikanischer Musik. Nach Augenzeugenberichten fielen die Schüsse kurz vor der Schließung um zwei Uhr, viele Menschen seien noch am Tanzen gewesen. Der Club selbst rief auf Facebook auf, den Ort zu verlassen: „Verlasst Pulse und rennt.“

          Augenzeugen berichteten von Dutzenden Schüssen in schneller Reihenfolge - mindestens 40 seien es gewesen, sagte Christopher Hansen dem Sender CNN. „Ich dachte zuerst, es war Musik. Dann warfen sich die Menschen auf den Boden, und ich auch.“

          Viele flohen aus dem Gebäude. Das Fernsehen zeigte Opfer, die von Clubbesuchern aus dem Gebäude gebracht und auf die Ladeflächen von Kleinlastern gelegt wurden. Manche hatten Blut auf ihrer Kleidung. Vor mehreren Krankenhäusern warteten Freunde und Angehörige der Opfer. Eine Mutter sagte weinend: „Mein Sohn ist hier. Ich weiß nicht, wie es ihm geht.“

          Das Gelände des Clubs war sofort nach den Schüssen weiträumig abgesperrt worden. Auch Bombenspürhunde wurden auf dem Gelände eingesetzt. Bürgermeister Buddy Dyer sprach von einem „sehr schrecklichen“ Verbrechen. „Wir müssen stark bleiben“, rief er die Einwohner der Stadt auf.

          In Orlando hatte erst am Freitagabend eine andere Bluttat viele Menschen erschüttert: Ein Mann hatte die populäre Nachwuchssängerin Christina Grimmie erschossen. Polizeichef Mina schloss aber jede Verbindung zwischen den beiden Verbrechen aus.

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