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Schüsse an russischer Schule : Angreifer in Ischewsk tötet 15 Menschen

Menschen stehen vor der Schule in Ischewsk, nachdem es dort zu Schüssen kam. Bild: Picture Alliance

Im russischen Ischewsk soll ein Mittdreißiger mit zwei Pistolen elf Kinder, vier Erwachsene und dann sich selbst erschossen haben. Er soll ein Hemd mit „Nazi-Symbolik“ getragen haben.

          2 Min.

          In einer Schule in Ischewsk, der Hauptstadt der russischen Teilrepublik Udmurtien, hat ein Angreifer am Montag nach offiziellen Angaben 15 Menschen, unter ihnen elf Kinder, getötet. Anschließend erschoss er sich selbst. Unter den Toten sollen zwei Wachleute und zwei Lehrkräfte sein. 22 Kinder und zwei Erwachsene wurden nach offiziellen Angaben verwundet.

          Friedrich Schmidt
          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Ermittler bestätigten rasch Medienberichte, denen zufolge der Täter ein Hemd mit „Nazi-Symbolik“ und eine Sturmmaske getragen habe. Später veröffentlichten die Ermittler Bilder und ein Video, das den toten Angreifer zeigen soll, mit einem Hakenkreuz auf seiner Kleidung. Alsbald hieß es, der Schütze heiße Artjom Kasanzew, sei im Jahr 1988 geboren worden und habe die Ischewsker Schule, die er angriffen habe, selbst besucht. Sie trägt laut den Berichten die Nummer 88. Geprüft werde nun, ob der Täter „neofaschistischen Ansichten und der Nazi-Ideologie anhing“, so das Ermittlungskomitee.

          Dreitägige Trauerphase ausgerufen

          Laut dem Republikoberhaupt, Alexandr Bretschalow, war Kasanzew bei einer psychoneurologischen Stelle gemeldet. Dem Telegram-Kanal „Baza“ zufolge, der bei Kriminal­fällen rasch zur Stelle ist, war Kasanzew mit zwei Makarow-Pistolen bewaffnet. „Baza“ veröffentlichte Bilder der Pistolen mit Anhängern, auf denen die Namen von Eric Harris und Dylan Klebold stehen sollen. Die beiden Amerikaner erschossen 1999 an der Columbine High School im amerikanischen Bundesstaat Colorado zwölf Schüler, einen Lehrer und sich selbst.

          Das rund 1200 Kilometer östlich von Moskau gelegene Ischewsk ist die Hauptstadt der russischen Republik Udmurtien.
          Das rund 1200 Kilometer östlich von Moskau gelegene Ischewsk ist die Hauptstadt der russischen Republik Udmurtien. : Bild: Picture Alliance

          Auf Magazinen der Pistolen, die offenbar nicht benutzt wurden, ist mit roter Farbe das russische Wort für „Hass“ geschrieben und jeweils mit einem Ausrufezeichen versehen. Nach Darlegung der russischen Behörden gibt es im Land eine „terroristische Bewegung“ namens „Columbine“, deren Teilnehmer „allgemein anerkannte moralische Prinzipien und moralische Werte leugnen, abweichendes Verhalten propagieren sowie Suizid und Gewalt als Lebensnorm und als Mittel, seine Ziele zu erreichen“.

          In Udmurtien wurde eine dreitägige Trauerphase ausgerufen. Ministerpräsident Michail Mischustin sagte den Verwundeten und Hinterbliebenen der Getöteten Hilfe zu. Präsident Wladimir Putin soll sich derzeit im Urlaub befinden. Sein Sprecher, Dmitrij Peskow, sagte, man müsse die Effektivität der Sicherheitsmaßnahmen an Russlands Schulen prüfen. Im vergangenen Dezember hatte ein 18 Jahre alter Jugendlicher in Serpuchow nahe Moskau an einer Schule einen Sprengsatz gezündet und mehrere Menschen verletzt. Im September 2021 wurden an einer Universität in Perm im Ural sechs Menschen beim Angriff eines bewaffneten Studenten getötet. Im Mai 2021 erschoss der Absolvent einer Schule in der Stadt Kasan neun Menschen. Verschärfungen des Waffenrechts, wie sie auch am Montag wieder in der Duma, dem Unterhaus, angeregt wurden, blieben jeweils aus.


          Hilfe bei Suizidgedanken

          Wenn Sie daran denken, sich das Leben zu nehmen, versuchen Sie, mit anderen Menschen darüber zu sprechen. Es gibt eine Vielzahl von Hilfsangeboten, bei denen Sie – auch anonym – mit anderen Menschen über Ihre Gedanken sprechen können.

          Das geht telefonisch, im Chat, per Mail oder persönlich.

          Die Telefonseelsorge ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonnummern sind 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222.
          Der Anruf bei der Telefonseelsorge ist nicht nur kostenfrei, er taucht auch nicht auf der Telefonrechnung auf, ebenso nicht im Einzelverbindungsnachweis.

          Ebenfalls von der Telefonseelsorge kommt das Angebot eines Hilfe-Chats. Die Anmeldung erfolgt auf der Webseite der Telefonseelsorge. Den Chatraum kann man auch ohne vereinbarten Termin betreten. Sollte kein Berater frei sein, klappt es in jedem Fall mit einem gebuchten Termin.

          Das dritte Angebot der Telefonseelsorge ist die Möglichkeit der E-Mail-Beratung. Auf der Seite der Telefonseelsorge melden Sie sich an und können Ihre Nachrichten schreiben und Antworten der Berater lesen. So taucht der E-Mail-Verkehr nicht in Ihren normalen Postfächern auf.

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