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Angriff nahe Chicago : Warum konnte der Täter eine Waffe bekommen?

Der Tatort: Entlang der noch abgesperrten Straße in Highland Park saßen die Zuschauer der Parade, auf die der Attentäter von einem Dach aus schoss. Bild: Laif

Der mutmaßliche Schütze, der am amerikanischen Nationalfeiertag von einem Dach feuerte, ist wegen Mordes angeklagt. Schon vorher war er mehrmals auffällig geworden.

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          Nach dem Angriff auf eine Parade zum amerikanischen Nationalfeiertag am Montag ist der mutmaßliche Schütze wegen siebenfachen Mordes angeklagt worden. Bei einer Verurteilung bedeutete das lebenslange Haft ohne die Möglichkeit der Entlassung. Der Einundzwanzig­jährige hatte von einem Dach aus mehr als 70 Schüsse auf die Parade in Highland Park nahe Chicago abgegeben, sieben Menschen erschossen und mehr als 30 verletzt. Rund acht Stunden nach der Tat war er von der Polizei gefasst worden. Er sollte am Mittwoch vor Gericht erscheinen.

          Sofia Dreisbach
          Politische Korrespondentin für Nordamerika mit Sitz in Washington.

          Jüngste Informationen über den mutmaßlichen Täter führen zu der Frage, warum er die schweren Waffen in seinem Besitz legal erwerben konnte. Nach Angaben der Polizei gab es 2019 zwei Vorfälle. Im April 2019 reagierten die Beamten auf eine Meldung, dass der junge Mann versucht habe, sich das Leben zu nehmen. Man habe mit ihm und den Eltern gesprochen, und der Fall sei von Psychologen weiter betreut worden. Im September dann hatte ein Familienmitglied die Polizei ge­rufen und angegeben, der junge Mann habe gedroht, „alle umzubringen“, er be­sitze eine Messersammlung. Damals wurden laut Polizei 16 Messer, ein Dolch und ein Schwert konfisziert; die Familie habe jedoch keine Anzeige erstatten wollen. Nachdem der Vater angegeben hatte, dass die Messer ihm gehörten, wurden sie noch am selben Tag zurückgegeben.

          In den folgenden zwei Jahren erwarb der junge Mann nach Aussage der Ermittler fünf Waffen ­ – verschiedene Gewehre, eine Pistole und eine Schrotflinte. Bei vier Überprüfungen seiner Person zwischen Juni 2020 und September 2021 gab es keine Beanstandungen. Die Käufe wurden nicht verwehrt, weil es „keine ausreichende Grundlage für eine klare, aktuelle Be­drohung“ gab. Der einzige Eintrag in der Kriminalakte stammte aus dem Jahr 2016, wegen unerlaubten Tabakbe­sit­zes als Ju­gendlicher. Unter dem Namen „Awake the Rapper“ hatte er in Musik­videos über Gewalttaten phantasiert. Erst im Juni hatte Präsident Joe Biden ein Ge­setz unterzeichnet, das eine strengere Überprüfung junger Waffenkäufer vorsieht.

          Die Bürgermeisterin von Highland Park, Nancy Rotering, sagte dem Sender CNN, sie sei „gespannt auf eine Erklärung“, wie der junge Mann die Waffen kaufen konnte. Die Polizei der Stadt habe alle notwendigen Berichte angefertigt. Auch in anderen Ländern gebe es psychisch Kranke, „aber sie kommen nicht an solche Kriegswaffen, und sie können kein solches Blutvergießen in ihrer Heimatstadt anrichten“. Das müsse aufhören.

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