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Prozess Depp vs. Heard : Nun muss die Jury entscheiden

Johnny Depp und Amber Heard im Gerichtssaal bei den Schlussplädoyers im Fairfax County Circuit Courthouse Bild: AP

Nach sechs Wochen und 24 Prozesstagen haben die Anwälte der beiden Schauspieler ihre Plädoyers gehalten. Heard wurde vorgeworfen, keine „heldenhafte Überlebende“ zu sein. Depp hingegen, dass er sich wie ein „Monster“ verhalten habe.

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          Nachdem die Anwälte von Amber Heard und Johnny Depp am Freitag ihre Schlussplädoyers gelesen hatten, konnten sie sich zumindest auf eines einigen: Die Mitarbeiter des Gerichts in Fairfax, Virginia, hätten in den letzten Wochen wirklich „einen phänomenalen Job gemacht”. „Dafür möchten wir uns bedanken”, sagte Elaine Bredehoft, die Heard vertritt. „Die einzige Sache, bei der wir auf einer Linie sind!”, sagte daraufhin Ben Shew, der Depp verteidigt, im Scherz. Es war das einzige Mal, dass die beiden Anwaltsteams gemeinsam lachten. 

          Verleumdung und Reputationsverlust

          Caroline O. Jebens
          Redakteurin im Ressort „Gesellschaft & Stil“.

          Denn in den letzten sechs Wochen gab es wahrlich keinen Anlass dazu. Detailreich wurde die Beziehung des ehemaligen Hollywood-Ehepaares vor Gericht und vor den Zuschauern, die den Prozess über den Sender Court TV oder den Youtube-Kanal „Law & Crime Network“ verfolgen konnten, ausgebreitet: Es ging um Beleidigungen, Drogen- und Alkoholmissbrauch, Handgreiflichkeiten, psychische und physische Gewalt. Vor Gericht soll jedoch keine der beiden Seiten für Missbrauch in irgendeiner Form belangt werden. Im Zivilprozess „Depp v. Heard” soll die Jury kommende Woche darüber entscheiden soll, ob gewisse Aussagen wahrheitsgemäß seien und somit öffentlich getätigt werden durften oder nicht.

          Depps Klage bezieht sich demnach auf drei Aussagen aus einem 2018 von Heard publizierten „Washington Post”-Artikel, in dem sie behauptet, ihr sei als „Person, die öffentlich über häusliche Gewalt gesprochen hatte, Groll entgegen ­geschlagen“, und dass sie selbst erlebt habe, „wie Institutionen Männer schützen“. Heards Klage wiederum richtet sich gegen drei Aussagen von Depps ehemaligen Anwalt und Lobbyist Adam Waldman, der sie beschuldigt hatte, einen „Missbrauchsschwindel“ inszeniert zu haben. Die Schauspielerin und der Hollywood-Star hätten dadurch jeweils einen Reputationsverlust erlitten; Depp verlangt dafür 50 Millionen US-Dollar Schadensersatz, Heard fordert das Doppelte zurück.

          Schauspieler Johnny Depp steht mit seinem Anwaltsteam Camille Vasquez, links, und Benjamin Chew.
          Schauspieler Johnny Depp steht mit seinem Anwaltsteam Camille Vasquez, links, und Benjamin Chew. : Bild: AP

          „Dies ist kein MeToo-Fall“

          Nach 23 Prozesstagen, in denen Beweisaufnahme und Zeugenvernahme beider Parteien stattgefunden hatten, verlasen am Freitag nun die beiden Anwaltsteams ihre Plädoyers. Dafür führten sie nochmals einzelne Beweise – Bilder, Video- und Tonaufnahmen, Textnachrichten sowie den Artikel – heran. 

          Depps Anwälte Camille Vasquez und Ben Shew argumentierten, ihr Mandant sei zwar kein „Heiliger“, er stehe jedoch für seinen Alkohol- und Drogenmissbrauch ein. Durch Heards Anschuldigungen habe man ihm „die letzten sechs Jahre seines Leben genommen“; dabei gebe es keine Beweise dafür, dass Depp –seine ehemalige Frau ge­schlagen oder sexuell missbraucht habe. Nicht nur würden Beweise fehlen oder nicht überzeugen, es seien auch zahlreichen Zeugen für Depp erschienen, die in überwältigender Mehrheit für ihren Mandanten ausgesagt hätten. 

          Der 36-Jährigen warfen sie vor, den Prozess genutzt zu haben, um „die Rolle ihres Lebens zu spielen“, als „heldenhafte Überlebende“. Heard habe mit dem Artikel versucht, sich mit der MeToo-Bewegung gemein zu machen, um Aufmerksamkeit zu bekommen. „Dies ist kein MeToo-Fall, denn es gibt kein ‘auch ich’“, so Shaw: Es habe keine einzige andere Frau gegeben, die Depp je Vorwürfe dieser Art gemacht habe. Indem Heard sich als Überlebende darstelle, spreche sie „tatsächlichen Opfern häuslicher Gewalt“ ihre Erfahrungen ab und habe nicht nur für Depps Familie „großen Schaden“ angerichtet. 

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