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Schlug das Opfer zuerst zu? : Neue Details im Fall Dominik Brunner

  • Aktualisiert am

Dominik Brunner könnte nach Zeugenaussagen als Erster zugeschlagen haben Bild: AP

Neue Zeugenaussagen im Fall des an einem Münchner S-Bahnhof erschlagenen Managers Dominik Brunner: Nach Medienberichten soll Brunner zuerst zugeschlagen haben, um vier Kinder vor zwei jugendlichen Schlägern zu schützen.

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          Neue Zeugenaussagen im Fall des an einem Münchner S-Bahnhof erschlagenen Managers Dominik Brunner: Berichten von „Spiegel“ und „Süddeutscher Zeitung“ zufolge soll Brunner am 12. September zuerst zugeschlagen haben, um vier Kinder am Bahnsteig vor zwei jugendlichen Schlägern zu schützen. Andere Zeugen wollen dagegen gesehen haben, dass die 17 und 18 Jahre alten mutmaßlichen Täter als Erste zuschlugen. Beide sollen getrunken haben.

          Eine Bestätigung für die neuen Angaben war bei der Staatsanwaltschaft am Montag nicht zu bekommen. Die Anklagebehörde wolle einen unbelasteten Gerichtsprozess und gebe deshalb keine Einzelheiten bekannt, sagte Oberstaatsanwältin Barbara Stockinger.

          Anklage wegen Mordes

          Gegen die beiden jungen Männer ist bereits Anklage wegen Mordes erhoben worden. Der Prozess soll frühestens im Frühjahr, eher aber im Sommer beginnen. Dem jüngeren Sebastian L. drohen nach Jugendstrafrecht bis zu zehn Jahre Haft, der zur Tatzeit 18-jährige Markus S. könnte bei einem Schuldnachweis sowohl nach Jugendstrafrecht als auch nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt werden - auf Mord steht lebenslange Haft.

          Der Tod Brunners hatte im vergangenen Jahr bundesweit Entsetzen ausgelöst. Bundespräsident Horst Köhler hatte ihn für seine Zivilcourage posthum mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt.

          „Jetzt gibt's hier hinten Ärger“

          Den Berichten von „Spiegel“ und „SZ“ zufolge sagten Zeugen aus, dass Brunner zuerst zugeschlagen habe. „Jetzt gibt's hier hinten Ärger“, soll der 50-Jährige zuvor gerufen haben, der in seiner Freizeit Boxen trainiert haben soll. Selbst wenn Brunner den ersten Schlag getan haben sollte, bleibt offen, ob bereits eine konkrete Bedrohung bestand und er somit rein zur Selbstverteidigung zuschlug.

          Die Hauptverhandlung müsse klären, ob Brunner tatsächlich zuerst zugeschlagen und damit möglicherweise die massiven Schläge ausgelöst habe, sagte der Anwalt von Markus S., Maximilian Pauls. „Wenn sich das am Ende der Beweisaufnahme herausstellen sollte, ist die Frage, ob der Mordvorwurf zu halten ist.“

          Vor der Tat eine halbe Flasche Wodka

          Die „SZ“ schreibt, der Lokführer habe beobachtet, dass Brunner seine Jacke oder Tasche ablegte, bevor er ausholte. Allerdings habe der Lokführer das Geschehen aus 40 Metern Entfernung beobachtet. Andere Zeugen gaben jedoch an, die Jugendlichen hätten zuerst zugeschlagen. Insgesamt sind von der Staatsanwaltschaft mehr als 50 Zeugen benannt, einige von ihnen waren während der Tat am Bahnsteig.

          Eines der bedrohten Kinder, ein Mädchen, hatte damals ausgesagt, Passanten hätten „Aufhören“ gerufen, als die jungen Männer auf Brunner einschlugen. Auch ihre Freunde hätten versucht, den Haupttäter zu stoppen, dieser sei jedoch „total ausgetickt“. Markus S. soll laut „Spiegel“ vor der Tat eine halbe Flasche Wodka und fünf Flaschen Bier getrunken haben. Zwei Stunden nach der Tat ergab ein Bluttest noch mehr als ein Promille Alkohol im Blut. Sein mutmaßlicher Komplize Sebastian L. hatte laut „Spiegel“ zwei Flaschen Bier getrunken.

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