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Schlag gegen Cosa Nostra : Neuer Mafia-Boss in Sizilien festgenommen

  • Aktualisiert am

Mit der Festnahme des 80-jährigen Mineo treffen die Ermittler die Cosa Nostra in ihrer Führung. Bild: AFP

Dutzende mutmaßliche Mitglieder der Cosa Nostra sind in Sizilien festgenommen worden – unter ihnen der neue „Pate“ Settimino Mineo. Eine Kommission der Mafia soll ihn im Mai als Paten auserkoren haben.

          Die italienische Polizei hat der Mafia in Sizilien einen empfindlichen Schlag versetzt: Dutzende mutmaßliche Mitglieder der Cosa Nostra wurden festgenommen, unter ihnen der neue „Pate“ Settimino Mineo. Nach Angaben von Behördenvertretern und Medienberichten vom Dienstag nahmen die Fahnder bei den Razzien neben dem 80-jährigen Mineo insgesamt mindestens 45 weitere Verdächtige fest.

          Die Ermittler werfen ihnen Erpressung, illegalen Waffenbesitz, Brandstiftung, Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung sowie weitere Verbrechen vor. Mit der Festnahme des 80-jährigen Mineo treffen die Ermittler die Cosa Nostra in ihrer Führung. Der Juwelier sollte den Platz des im vergangenen Jahr gestorbenen Toto Riina an der Spitze der kriminellen Organisation einnehmen.

          Eine Cupola (Kuppel), auch Mafia-Kommission genannt, hatte im Mai getagt und Mineo auserkoren. Erstmals seit 1993 hatte die Cosa Nostra wieder eine solche Cupola der Bosse auf die Beine gestellt, wie italienische Medien berichteten. Bei den Razzien wurden außer Mineo drei weitere Teilnehmer des Geheimtreffens festgenommen. Alle vier Mafia-Bosse haben bereits mehrjährige Gefängnisstrafen verbüßt.

          „Wir haben uns alle geküsst“

          Mineo, der von Jugend an der Mafia angehört, wurde 1984 von dem damaligen Anti-Mafia-Ermittler Giovanni Falcone zu fünf Jahren Haft verurteilt. Falcone wurde 1992 von der Mafia bei einem Bombenanschlag ermordet. Mineo überlebte seinerseits 1992 einen Hinterhalt, in dem einer seiner Brüder starb; ein anderer Bruder war ein halbes Jahr zuvor vor dem Schmuckgeschäft der Familie getötet worden. 2006 musste Mineo abermals für elf Jahre hinter Gitter.

          Auf die Spur kam die Polizei den Verdächtigen durch abgehörte Telefonate des Mafioso Francesco Colletti, wie Medien berichteten. Dieser soll unter anderen seinem Fahrer Einzelheiten der Versammlung am 29. Mai ausgeplaudert haben. Es sei „ein schönes Treffen gewesen, sehr ernsthaft, mit Leuten vom Land, alten Leuten“. Colletti habe mehrfach von der Cupola geschwärmt, die sich von Riinas „Tyrannei“ positiv unterschieden habe. „Wir haben uns alle erhoben und geküsst.“ Der Ort des Treffens blieb unklar.

          Mineo soll den Medienberichten zufolge zum „Boss der Bosse“ aufgestiegen sein, weil er nicht auf der Flucht war oder im Versteck lebte – anders als Matteo Messina Denaro. Dieser war 1993 untergetaucht, seither wird der Mafioso von der Polizei gesucht. Er wurde in Abwesenheit wegen mehrfachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.

          Im März verhaftete die Polizei mehrere Verdächtige aus Denaros Umfeld im Zuge des Versuchs, ihn durch stetigen Fahndungsdruck und wiederholte Festnahmen unter seinen Gefolgsleuten zu isolieren. Das letzte Foto des heute 56-Jährigen stammt aus den 90er Jahren. Die sizilianische Mafia Cosa Nostra ist weltweit aktiv und steht mit zahlreichen weiteren kriminellen Organisationen in Kontakt.

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