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F.A.Z. Woche : Die Schläger vom Freiheitsplatz

Der Freiheitsplatz ist nur ein paar Minuten zu Fuß vom Schlossgarten entfernt. Der Busbahnhof befindet sich dort, auch ein Einkaufszentrum. Der Platz liegt mitten im Herzen der Stadt. Erst vor wenigen Jahren wurde er neu gestaltet. Als der Umbau fertig war, im Herbst 2015, sprach der Baudezernent von einem „urbanen Platz der Lebensfreude“. Die Polizei betrachtet den Freiheitsplatz allerdings auch als Kriminalitätsschwerpunkt. Über einen längeren Betrachtungszeitraum sei es dort zu einer Häufung von Straftaten gekommen. Ein Beispiel: Derzeit steht ein Mann, 24 Jahre alt, vor Gericht, weil er unter anderem auf dem Freiheitsplatz gedealt haben soll. Als die Polizei ihn festnahm, steckte in seinem Hosenbund eine geladene und entsicherte Schreckschusspistole. Noch ein Beispiel: Im Januar wurden zwei Jugendliche von sechs anderen verprügelt. Einer erlitt eine Platzwunde, der andere einen Jochbeinbruch. 2015 gab es auf dem Freiheitsplatz insgesamt fast 50 Straftaten. Ungefähr jedes Wochenende eine. Im Februar wurde beschlossen, dass der Platz und auch andere Orte künftig videoüberwacht werden sollen.

Der Freiheitsplatz ist auch im Dunkeln hell erleuchtet. Auf den Bänken, im Schatten eines Baumes, sitzt eine Gruppe Jugendlicher. Zehn, elf Jungs. Auch sie in Turnschuhen, Jogginghosen, Kapuzenpullovern und dunklen Jacken – die Einheitskleidung an diesem Abend auf diesem Platz. Gangsterrapmäßiges Auftreten. Die Schlägerei im Schlossgarten? „Warum fragst du uns das? Glaubst du, dass wir das waren? Glaubst du, jemand sagt dir die Wahrheit?“ Die Jungs erzählen, dass sie aus Afghanistan kommen. Manche von ihnen wohnen in betreuten Wohngruppen, manche bei Familien. Sie sagen, dass sie jedes Wochenende auf dem Freiheitsplatz sind, um zu chillen. Bei der Stadt heißt es: „Viele Hanauerinnen und Hanauer entdecken die Freiflächen und Sitzgelegenheiten bei schönem Wetter für sich. Die Vermutung, dass sich bestimmte Altersgruppen oder Gruppierungen dort besonders häufig zusammenfinden, lässt sich nicht belegen.“

„Schlägereien mit den Türken“

Einer der Afghanen nennt sich Harun. 17 Jahre alt sei er, er sei dabei gewesen im Park, als es zur Schlägerei kommen sollte. Angefangen habe alles habe es aber Wochen vorher. Damit, dass ein Junge einen anderen zur Seite schubste, weil der nicht aus dem Weg gehen wollte. „Das war der Anfang von den Schlägereien mit den Türken“, sagt Harun. Eine Nichtigkeit.

Harun und die anderen Afghanen erzählen, dass die Türken immer sagen: „Macht Platz. Verpisst euch.“ Dass die Türken sie schief angucken und sagen: „Hanau ist unsere Stadt. Haut ab.“ Dass die Türken „einfach Gangster“ sein wollen. Die Türken wüssten genau, dass sie sich nicht richtig wehren könnten. „Wenn Afghanen schlagen, werden sie abgeschoben.“ Außerdem hätten die Türken „einfach keine Eier“: „Wenn du dich mit einem schlägst, dann kommen hundert.“ Die Jungs sagen auch: „Wenn wir Krieg wollten, wären wir daheimgeblieben.“ Sie erzählen, dass sie eine Ausbildung machen wollen, Abitur. Einer sagt, er wolle Mechaniker werden, ein anderer, 14 Jahre alt, sagt: Astronaut. Sie klingen wie nette Jungs. Kinder, die Träume haben.

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