https://www.faz.net/-gum-aaxxz

Betrüger in Kalabrien : Der König der Schwänzer

Salvatore S. bezog in Kalabrien jahrelang Gehalt fürs Nichtstun. (Symbolbild) Bild: dpa

Seit 2005 soll der Verwaltungsangestellte Salvatore S. nicht mehr zur Arbeit erschienen sein – und dennoch Gehalt bezogen haben. In Italien muss er sich nun wegen Betrugs, Amtsmissbrauchs und Erpressung verantworten.

          1 Min.

          Die Operation der Finanzpolizei von Catanzaro trug den Namen „Teilzeit“. Was die Ermittler in der Hauptstadt der süditalienischen Region Kalabrien herausfanden, verdiente freilich stattdessen den Titel „Nullzeit“: Der heute 67 Jahre Verwaltungsangestellte Salvatore S. erhielt während der letzten 15 Jahre seiner Berufslaufbahn das volle Gehalt, ohne auch nur einen einzigen Tag zur Arbeit in die Klinik Pugliese-Ciaccio in Catanzaro zu kommen. Wie die Ermittler mitteilten, wurden dem Angestellten, den die italienischen Zeitungen zum „König der Schwänzer“ ausriefen, über die Jahre mehr als 538.000 Euro Gehalt fürs Nichtstun überwiesen. Wegen Betrugs, Amtsmissbrauchs und Erpressung muss er sich nun vor Gericht verantworten.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Zum letzten Mal zur Arbeit kam Salvatore S. demnach 2005. Einer Vorgesetzten, welcher schon zuvor das häufige Fehlen des Angestellten aufgefallen war, soll der Mann gedroht haben, ihren Angehörigen werde etwas zustoßen, sollte sie seine notorische Abwesenheit melden oder gar ein Disziplinarverfahren gegen ihn einleiten. Nachdem die leitende Mitarbeiterin der Personalabteilung die Klinik verlassen hatte, fiel deren Nachfolgern offenbar nicht auf, dass Salvatore S. auf der Gehaltsliste stand, aber niemals zur Arbeit kam. Ob der Betrüger Mitwisser oder Komplizen in der Personalabteilung hatte, soll nun ebenfalls vor Gericht geklärt werden. Neben Salvatore S. sind deshalb sechs ehemalige und gegenwärtige Mitarbeiter der Personalabteilung der Klinik angeklagt.

          Rund 3000 Euro Monatsgehalt

          Die Regierung in Rom hat 2016 ein Gesetz verabschiedet, das härtere Strafen gegen unbegründetes Fehlen am Arbeitsplatz vorsieht. In den aufgeblähten öffentlichen Verwaltungen waren zuvor wiederholt Fälle von Arbeitsscheu aufgedeckt worden. Ungeachtet ihrer häufig beklagten Ineffizienz werden in den öffentlichen Verwaltungen Italiens beachtliche Gehälter bezahlt. Beim „König der Schwänzer“ gingen anderthalb Jahrzehnte lang durchschnittlich rund 3000 Euro Monatsgehalt ein, ohne dass er sich bei der Arbeit blicken ließ.

          Eine gewisse Berühmtheit erlangte auch ein Verkehrspolizist, der von heimlich installierten Sicherheitskameras dabei gefilmt worden war, wie er sich frühmorgens in Unterwäsche zur nahe gelegenen Polizeiwache begab, dort die elektronische Stechuhr betätigte und sich hernach wieder zu Hause ins Bett legte.

          Weitere Themen

          Madagaskar droht eine Hungersnot

          Anhaltende Dürre : Madagaskar droht eine Hungersnot

          Die Bevölkerung in Madagaskar ist größtenteils von der Landwirtschaft abhängig – und es hat seit Jahren kaum Regen gegeben. Nun sind mehr als eine Million Menschen von einer Hungersnot bedroht.

          Spahn warnt vor „Wettlauf der Lockerungen“

          Corona-Liveblog : Spahn warnt vor „Wettlauf der Lockerungen“

          Taiwan meldet höchste Zahl an Neuinfektionen seit Pandemiebeginn +++ Großbritannien gilt wieder als Risikogebiet +++ Spahn mit AstraZeneca-Vakzin geimpft +++ WHO-Chef fordert Impfstoff für ärmere Länder statt für Kinder +++ Alle Entwicklungen im Liveblog.

          Topmeldungen

          Ursprung des Pandemie-Virus oder nicht:  Das staatliche Institut für Virologie in Wuhan, das auch mit westlichen Virologen kooperiert hat?

          Shitstorms für Genpioniere : Im sozialen Strudel von Sars-Cov-2

          Der Ursprung bleibt unklar, die genetischen Tricks des Virus ein Rätsel. Zwei Genpioniere, die auch im hohen Alter nach Antworten darauf suchten, fanden sich plötzlich in Deutungskämpfen verwickelt, die in den sozialen Netzwerken toben.

          Fernfahrt mit dem E-Auto : Auf der Reise zu Opa Karl

          Fernfahrten mit Elektroautos sind mit einigen Hürden verbunden. Die sollen kleiner werden. Wie ein Netz schneller Ladestationen entlang der Autobahn entsteht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.