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S&K-Prozess : Warum Betrüger immer so übertreiben müssen

Ein Polizeiauto hinter dem mit Gold geschmückten Eingangsportal: Mit einer Razzia fing 2013 der Betrugsprozess gegen S&K an. Bild: dpa

In Frankfurt stehen zwei junge Männer vor Gericht, weil sie Anleger um 240 Millionen Euro gebracht und alles in Autos, Frauen und edelsteinbesetzte Hundenäpfe investiert haben sollen. Das konnte nicht gutgehen.

          Im Jahr 2003, lange bevor Jonas Köller und Stephan Schäfer als „The SK Brothers“ zur Party in eine 40.000-Dollar-Suite im Himmel von Las Vegas einladen, kriechen die beiden in der hessischen Provinz über den Boden. Zu zweit putzen sie eine Wohnung, die seit ein paar Stunden ihnen gehört. Sie recherchieren auf einem Immobilienportal im Internet, wie viel Geld sie dafür wohl verlangen können, und verstecken Duftbäume in den Räumen.

          Denise Peikert

          Freie Autorin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Es ist die erste Wohnung, die Köller und Schäfer bei einer Zwangsversteigerung billig bekommen haben, sie liegt in einem Ort namens Roßdorf zwischen Rollschuhbahn, Handwerksmuseum und Weinbergen. Die Idee funktioniert: Köller und Schäfer, damals 21 und 23 Jahre alt, verkaufen mit einem Gewinn von gut 30.000 Euro. Der Vorstand der Hausbank in ihrer bayerischen Heimat gratuliert in einem Brief.

          So weit, so jungunternehmerisch. Aber es gab damals jemanden, der die besseren Geschäfte machte, ein Vorbild sozusagen. „Der fuhr Ferrari und trug jeden Tag eine andere Rolex“, sagt Köller heute.

          Firmenimperium mit 150 Unternehmen in zehn Jahren aufgebaut

          So sah die Welt von Köller und Schäfer aus, von zwei Jungs aus der Provinz, die ihren Erfolg in teuren Uhren maßen und so schnell wie möglich Millionäre werden wollten. In zehn Jahren bauten die beiden ein Firmenimperium mit 150 Unternehmen und 2200 Bankkonten auf. Seit mehr als drei Jahren sitzen sie jetzt in Untersuchungshaft, vor dem Landgericht Frankfurt wird gegen sie und vier andere Männer wegen schweren bandenmäßigen Betrugs und Untreue verhandelt.

          Es ist eines der größten Wirtschaftsstrafverfahren in Deutschland. Der Prozess wird noch Monate, vielleicht sogar Jahre dauern. Die Akten dazu müssen im Landgericht wegen Einsturzgefahr in zwei verschiedenen Räumen gelagert werden, die Anklage ist mehr als 3000 Seiten lang. Darin stehen die Namen von 11.000 Menschen, die S&K um ihr Vermögen gebracht haben sollen. Um insgesamt 240 Millionen Euro. Mindestens: Der Schaden, den die Ermittler nennen, ist nur ein Näherungswert.

          Wie haben Köller und Schäfer das geschafft? Folgt man der Anklage, so gelang es mit absurden Renditeversprechen zur Finanzierung eines noch viel absurderen Luxuslebens. Wer sich das anguckt, die Partys in Las Vegas und im Unterfränkischen, die Sportwagen und die gekauften Frauen, der muss sich die Frage stellen, warum ausgerechnet Betrüger etwas nötig haben, was für normale Reiche in Deutschland untypisch ist: Sie protzen mit etwas, was sie in ihrem eigenen Interesse besser geheim halten sollten.

          Selten war der Goldrausch so pur wie im Fall von S&K

          Allein der Firmen-Fuhrpark: Da standen ein Porsche Spyder für 136.000, ein Bentley für 230.000 Euro und zwei Lamborghini. Die waren aber nur geleast.

          So etwas ist schon anderswo passiert, aber selten war der Goldrausch so pur wie im Fall von S&K. Jürgen Harksen, der Ende der achtziger Jahre 150 Millionen Deutsche Mark verprasste, konnte sich hinterher immerhin als Schalk inszenieren, der den Reichen ihr Geld abgenommen hatte.

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