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Perm in Russland : Mehrere Tote nach Schüssen an Universität

Auf der Flucht: Studenten springen aus den Fenstern an der Universität in Perm Bild: dpa

Am Montagmorgen sind bei einem Angriff auf die Universität in Perm mindestens sechs Menschen getötet worden. Der Schütze wurde bei der Festnahme verwundet, es soll sich um einen Studenten handeln.

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          Zum zweiten Mal binnen weniger Monate kommen aus einer russischen Bildungseinrichtung Bilder des Schreckens. Am Montagvormittag Ortszeit, in Deutschland war es gerade acht Uhr morgens, eröffnete ein Angreifer, der sich schwarze, uniformähnliche Kleidung samt schwarzem Helm zugelegt hatte, das Feuer auf dem Gelände einer Universität in der Stadt Perm. Zunächst schoss er auf dem Campus um sich, dann in einem Gebäude der Hochschule. Mindestens 30 Schüsse soll der Schütze abgegeben haben, aus einem Gewehr, das er laut russischen Medienberichten im Mai legal erworben hatte. Mindestens sechs Personen tötete er; zunächst war von acht Toten die Rede gewesen. Mehr als 20 weitere Personen wurden verletzt, auch der Angreifer selbst, der sich angeblich der Festnahme widersetzte.

          Friedrich Schmidt
          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Rasch wurden auf Twitter Aufnahmen eines augenscheinlich jungen Manns als Täter verbreitet, der den Mittelfinger der linken Hand hochreckt und in der anderen Hand ein Gewehr hochhält. Er ist schwarz gekleidet, hat einen schwarzen Helm und eine ebenfalls schwarze Maske auf und trägt viele Patronen in einem Gürtel um seinen schmalen Körper gewunden. An der rechten Seite trägt der Mann etwas, das aussieht wie ein Schwert oder Schlagstock. Dazu wurde der Name eines angeblich 18 Jahre alten Manns genannt, welcher der Täter sein soll. Das Bild stammte vermutlich aus einem Eintrag im sozialen Netzwerk VKontakte, in dem der mutmaßliche Angreifer darum ge­beten haben soll, seine Handlungen nicht für einen Terroranschlag zu halten: „Ich hasse mich, aber ich möchte all denen wehtun, die mir im Weg stehen“, habe da gestanden. Der Post wurde alsbald gelöscht.

          Ein Polizist schoss den Angreifer nieder

          Telegram-Kanäle, die den Sicherheitskräften nahestehen, bestätigten den Namen des Verdächtigen, und vom Aussehen her entsprach diese Person derjenigen, die auf Auf­nahmen vom Gelände der Universität zu sehen ist: Der Bewaffnete geht auf ein Gebäude zu, wird aus einem Fenster gefilmt. Dazu hört man ­junge Stimmen, die fluchen, voller Angst. Andere Aufnahmen aus Perm zeigen, wie junge Leute, wohl Studenten, die sich in ihren Hörsälen verschanzt hatten, aus Fenstern springen.

          Nach Behördenangaben waren zunächst Polizisten der Straßenpolizei an Ort und Stelle; einer von ihnen schoss demnach den Angreifer ­nieder und versorgte ihn dann medizinisch. Der Polizist wurde als Held gefeiert. Nach Medienberichten erlitt der Angreifer einen Bauchschuss und wurde auf die Intensiv­station gebracht. Er soll ­Student der angegriffenen Permer Universität sein und, so ein Telegram-Kanal, an der Juristischen Fakultät ­studieren, mit dem Spezialgebiet „Justizgut­achten“. Das Ermittlungskomitee eröffnete ein Verfahren wegen ­Mordes an zwei und mehr Personen.

          Erst im Mai waren bei einem Angriff auf eine Schule in Kasan neun Personen getötet worden; der Täter, ein 19 Jahre alter früherer Schüler der Einrichtung, war in ebenfalls schwarzer Kleidung, mit Maske und Gewehr in der Hand zu Fuß zur Schule gegangen. Präsident Wladimir Putin – der am Montag den Opfern und Hinterbliebenen von Perm sein Beileid aussprach – hatte nach der Kasaner Tat angeordnet, das Waffenrecht zu verschärfen. Das hatte er auch schon getan, nachdem im Oktober 2018 ein 18 Jahre alter Schüler in Kertsch auf der annektierten ukrainischen Krim 20 Mitschüler und dann sich selbst erschossen ­hatte, und zwar mit der gleichen Waffe, die dann der junge Mann in Kasan benutzte. Die Verschärfung war aber ausgeblieben. Stattdessen wurde das Alter, von dem an man Jagdwaffen besitzen darf, auf 16 Jahre gesenkt.

          In Perm wurde dieser Dienstag zum Trauertag erklärt. Die Behörden versprachen, wie in Russland üblich, den Familien der Getöteten umgerechnet 11.700 Euro; Verwundete sollen die Hälfte dieser Summe bekommen, leichter Verletzte ein Zehntel davon.

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