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Nordengland : Versagen der Behörden ermöglichte massenhaften Missbrauch

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Haben die Menschen in Rotherham die Augen vor den gewaltigen Verbrechen verschlossen? Bild: picture alliance / empics

Die Zahlen schockieren: 1400 Kinder sind in der englischen Stadt Rotherham Sexualverbrechern zum Opfer gefallen. Die örtlichen Behörden sollen jahrelang entsprechende Berichte ignoriert haben, die Polizei den Opfern nur mit Verachtung begegnet sein.

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          Eklatante Fehler bei Polizei und Behörden haben der Missbrauchsskandal mit etwa 1400 Opfern in der nordenglischen Stadt Rotherham wohl erst möglich gemacht. Der unabhängige Bericht der Vorkommnisse, der am Dienstag veröffentlicht wurde, wirft der Kommunalverwaltung in Rotherham krasses kollektives Versagen vor. In etwa einem Drittel der Fälle seien die Opfer bereits bei Kinderschutzeinrichtungen bekannt gewesen. Die Polizei der nordenglischen Region South Yorkshire habe den Ermittlungen keine Priorität eingeräumt und „viele der Kinder, die Opfer waren, mit Verachtung betrachtet“, sagte die Autorin des Berichts, Alexis Jay.

          Zwischen 2002 und 2006 habe es bereits drei Untersuchungen gegeben, die „in der Beschreibung der Lage in Rotherham nicht klarer hätten sein können“. Sie seien aktiv zurückgehalten oder ignoriert worden. „Das Versagen der örtlichen Behörden, das der Bericht bloßgestellt hat, ist erschreckend“, sagte ein Regierungssprecher in London.

          Erster großer Prozess im Jahr 2010

          Dass es in der 250.000-Einwohner-Stadt systematisch zu Kindesmissbrauch kam, ist auch in der Öffentlichkeit seit Jahren bekannt. 2010 war eine fünfköpfige Bande mit Wurzeln in Pakistan zu langen Haftstrafen wegen Kindesmissbrauchs verurteilt worden. Der Gerichtsprozess im Jahr 2010 war der erste von mehreren größeren Verfahren, die auch Missbrauchsfälle in anderen englischen Städten wie Leeds, Derby und Oxford bekannt machten.

          Doch die Zahlen, die nun die unabhängige Untersuchung für die Jahre von 1997 bis 2013 nennt, übertreffen die schlimmsten Befürchtungen. Etwas 1400 Kinder wurden in den vergangenen 16 Jahren in Rotherham sexuell missbraucht wurden. Die Täter hätten Mädchen und Jungen vergewaltigt, entführt, in andere nordenglische Städte gebracht, geschlagen und eingeschüchtert, sagte Alexis Jay am Dienstag.

          „Es ist schwer zu beschreiben, welch entsetzlichem Missbrauch diese Kinder ausgesetzt waren“, sagte Jay. Mädchen seien vielfach von mehreren Männern vergewaltigt worden. Die Täter hätten Opfer mit Benzin übergossen und ihnen gedroht, sie anzuzünden. Einige Kinder hätten brutale Vergewaltigungen mitansehen müssen. Niemand kenne das wahre Ausmaß der Taten, heißt es am Ende des Berichts. „Unseren konservativen Schätzungen zufolge wurden über den gesamten untersuchten Zeitraum, von 1997 bis 2013, etwa 1400 Kinder sexuell ausgebeutet.“

          Ratsvorsitzender trat zurück

          Die Untersuchung hatte die Kommunalverwaltung in Auftrag gegeben. Ob sich aus dem Bericht weitere strafrechtliche Ermittlungen ergeben, war zunächst unklar. Die Regierung sei fest entschlossen, diejenigen, die Kinder ausgebeutet hätten, ihrer gerechten Strafe zuzuführen, sagte ein Regierungssprecher in London.

          Der langjährige Ratsvorsitzende von Rohterham, Roger Stone, übernahm am Dienstag Verantwortung für das Versagen der Behörden und trat mit sofortiger Wirkung zurück. Für die anderen Mitglieder der Verwaltung sollte es vorerst keine Konsequenzen geben. Die damals Verantwortlichen arbeiteten nicht mehr für die Kommune, sagte ein leitender Beamter der Verwaltung. Abgeordnete mehrerer Parteien forderten, Verantwortliche zu entlassen.

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