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Rockergruppen : Kanaken in Kutten

  • -Aktualisiert am

Gelungene Integration: Mitglieder Der Rockergruppe Median Empire in Köln. Bild: Mehmet Ata

Migranten haben in Motorradgangs wie den Hells Angels und Bandidos an Macht gewonnen. Ein Ex-Kampfsportler und ein ehemaliger PKK-Aktivist über die unverzichtbaren „Kanaken in den eigenen Reihen“.

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          „Die Kanaken sind brutal. Die freuen sich, wenn es Stress gibt.“ Yusuf redet über die Migranten in der Rockerszene. Er ist selbst einer von ihnen, ein einflussreicher Bandido. Schon oft war er in gewalttätige Auseinandersetzungen verwickelt. „Seit einigen Jahren mischen die Kanaken ordentlich mit in der Szene“, sagt er. Türken, Kurden, Araber, Perser.

          Es ist ein sonniger Sommerabend, der Rocker sitzt in einer Teestube in einer Stadt in Nordrhein-Westfalen. Ganz leer ist der Laden. Kein Wunder. Die Wände sind vom Zigarettenrauch vergilbt, Bilder zeigen den Bosporus und Strände mit Palmen. Sie passen nicht zum Rest der Teestube mit ihrem ranzigen PVC-Boden. Die milchigen Fensterscheiben sorgen dafür, dass niemand von der Straße reinschauen kann. Hier fühlt Yusuf sich sicher.

          Aus Rivalen wurden Verbündete

          Er sagt, dass in manchen Ortsgruppen, die bei den Bandidos „Chapter“ heißen, gebürtige Deutsche inzwischen in der Minderheit seien. Es gibt sogar Chapter, in denen kein einziger gebürtiger Deutscher Mitglied ist. Bei den Hells Angels ist es nicht viel anders. Rocker betonen oft, dass Zusammenhalt ihnen heilig sei. „Auch in orientalischen Kulturen wird dieser Wert hochgehalten, das passt“, sagt Yusuf. Und die Rockerbanden haben sich geöffnet. „Wenn die einen Kanaken haben, müssen die anderen nachziehen.“ Die Rockerclubs haben sich so ihre Konkurrenten einverleibt. Denn jahrelang beherrschten Türken und Araber die Türsteherszene, sie waren die größten Feinde der Hells Angels und Bandidos. Jetzt sind viele von ihnen selbst Rocker.

          Yusuf sitzt lässig im Stuhl, den Körper zurückgelehnt. Er wirkt nicht aggressiv, auch wenn er von Prügeleien und Messerstechereien berichtet. Obwohl „Kanaken“ wie er im Aufwind sind, verliert Yusuf kein schlechtes Wort über seine deutschen Kameraden. Aber wenn er über sie spricht, klingt es, als rede er über eine bedrohte Art. Es sei gut, auch Deutsche dabei zu haben: „Die haben Köpfchen, und manche von denen sind auch mutiger als die Ausländer.“ Es gibt Rocker, die sich weniger diplomatisch ausdrücken als Yusuf. „Die Kanaken übernehmen die Macht“, sagt einer aus der Szene.

          Hells Angels versus Bandidos

          Der Inhaber der Teestube kommt vorbei. Er stellt zwei Gläser Tee auf den Tisch und fragt Yusuf leise auf Türkisch: „Soll ich rausgehen?“ Das Gespräch über Gewalt, Prostitution und Drogen macht ihm Angst. „Es ist Ihre Entscheidung, ob Sie rausgehen.“ Er geht.

          Yusuf ist groß, tätowiert. Das enge T-Shirt betont seine Muskeln. Früher war er ein erfolgreicher Kampfsportler. „Aber Kampfsport bringt nichts, die zücken sofort Messer, wenn es Stress gibt.“ Mit „die“ meint er die Hells Angels, mit denen sich die Bandidos in jüngster Zeit besonders in Nordrhein-Westfalen immer wieder Kämpfe liefern, in Köln, Mönchengladbach, Duisburg. Es geht um Gebietsansprüche. Das Rheinland ist von den Hells Angels dominiert, das Ruhrgebiet von den Bandidos. Doch beide Gruppen wollen expandieren und die anderen Clubs zurückdrängen. Dabei geht es um Drogen- und Waffengeschäfte und um Prostitution.

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