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Rockergruppen : Kanaken in Kutten

  • -Aktualisiert am

Azad sitzt am Kopf des Tisches, dichtgedrängt um ihn herum die anderen. Es ist so eng, dass man sich kaum bewegen kann. Ein Jahr lang war Azad Mitglied der Mongols, bevor er im November letzten Jahres Median Empire gründete. Die Rocker beziehen sich mit dem Namen auf das medische Reich, das vom achten bis zum sechsten Jahrhundert vor Christus bestand. Viele Kurden sehen sich als Nachfahren der Meden. „Bei den Mongols war kein Respekt da. Es wurde gelogen, verarscht“, sagt Azad. Hinter seinem Rücken sei er als „Zuchtkanake“ bezeichnet worden. Azads Stimme hebt sich. Was genau passiert ist, will er nicht erzählen: „Darüber redet man nicht“.

Azad ist mit 30 der Älteste am Tisch. Ein agiler Typ, sehr aufrechter Gang. Er trägt einen buschigen Schurrbart, der typisch ist für viele Kurden. Seine Eltern hatten in der kommunistischen Partei Irans ihre politische Heimat. Azad selbst war viele Jahre lang im Umfeld der verbotenen Arbeiterpartei PKK aktiv.

„Die Blonden haben Angst vor den Kanaken“

Wenn er über Ausländer in der Rockerszene spricht, klingt er martialisch. „Die Blonden haben Angst vor den Kanaken. Die träumen nachts, dass sie ihnen ein Messer in den Rücken rammen.“ Er selbst sei aber nicht gewalttätig - „natürlich nicht“. Median Empire habe nichts mit Drogen oder Prostitution zu tun, sagt Azad. Sein Rockerclub habe aber in Köln „vier Türen“. Heißt: in vier Diskotheken stellt er die Türsteher. Median Empire ist für die Männer auch eine berufliche Chance.

Wenn sie zusammen im Restaurant sitzen, bleiben die umliegenden Tische frei. Niemand will in der Nähe der Rocker sitzen. Auch der Kellner schaut nur zwei Mal ganz kurz vorbei.

Dann kommen noch mehr Männer rein, sie gehen auf Azad und seine Jungs zu. Vorneweg geht ein stämmiger Deutscher mit Glatze. Er trägt einen schwarzen Jogginganzug, darüber eine Kutte. Seinen Kopf hat er leicht in den Nacken gelegt, er schaut ernst, fast aggressiv. Das Gespräch am Tisch verstummt. Dann stehen Azad und seine Jungs auf, um ihn zu begrüßen.

Rockerdasein als Lebensinhalt

Der Deutsche wird als Chef der Viersener Gruppe vorgestellt. Der deutsche Chef einer kurdischen Rockergruppe - ein Integrationserfolg. Bei Median Empire seien nur etwa 50 Prozent der Mitglieder und Anhänger Kurden, sagt Azad. Es sei bei den Rockern wie im Osmanischen Reich: „Die besten Krieger sind Kurden.“ Aber es sei nicht nur die Brutalität, die die Ausländer so stark mache. „Ich habe fünfzehn Cousins, er hat zehn Cousins. Wenn es Stress gibt, sind die zur Stelle.“ Die anderen Männer lauschen Azad wie hypnotisiert. Keiner traut sich, ihn zu unterbrechen. Hinterher sagt einer der jungen Rocker, dass die Bruderschaft, dass Median Empire sein Leben sei. Die anderen nicken.

Auch für den Bandido Yusuf ist der Club sein Leben. Er weiß, welche Gefahren dieses Leben mit sich bringt. Ob er keine Angst hat, irgendwann verhaftet oder getötet zu werden? „Ich habe mir das alles doch selbst ausgesucht.“

Am Ende des Gesprächs geht Yusuf an die Theke, der Besitzer der Teestube traut sich auch wieder herein. Für den Tee will er kein Geld haben, doch Yusuf besteht darauf zu zahlen. Rechnungen müssen beglichen werden.

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