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Wegen Körperverletzung : Rockerboss Frank Hanebuth zu Geldstrafe verurteilt

Der Angeklagte Frank Hanebuth im Gerichtssaal in Hannover Bild: dpa

Frank Hanebuth und andere Rockerkollegen der „Hells Angels“ wurden wegen einfacher Körperverletzung zu Geldstrafen verurteilt. Sie waren ursprünglich wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung angeklagt worden.

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          Das Amtsgericht Hannover hat den „Hells-Angels“-Boss Frank Hanebuth am Mittwoch zu einer Geldstrafe in Höhe von 4000 Euro wegen Beihilfe zur Nötigung und zur Körperverletzung sowie wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz verurteilt. In dem Prozess ging es um einen Vorfall von April 2018. Damals waren eine Gruppe von fünf „Hells Angels“ auf dem Gelände einer Autowerkstatt in Langenhagen bei Hannover erschienen. Die Aufzeichnung einer Überwachungskamera belegt, wie einer der Rocker dem Betreiber der Werkstatt mehrfach ins Gesicht schlug. Dieser 46 Jahre alte Rocker wurde am Mittwoch zu 5400 Euro Geldstrafe verurteilt.

          Reinhard Bingener

          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Einige Monate nach dem Vorfall, im November 2018, hatte die Staatsanwaltschaft Hannover unter anderem das Anwesen Hanebuths in Bissendorf-Wietze nördlich der niedersächsischen Landeshauptstadt durchsuchen lassen. Die Ermittler stießen dabei auf scharfe Munition. Die Behörden gingen dem Verdacht nach, dass es bei dem Angriff auf den Werkstattbetreiber um Schutzgelderpressung ging. In der Anklage war dann allerdings nur noch von Mietschulden in Höhe von 2500 Euro die Rede.

          Im Prozess konnte sich das seinerseits vorbestrafte Opfer dann nicht mehr genau erinnern und erzählte, dass es sich mit den Rockern mittlerweile wieder vertragen habe. Der Mann bestritt auch, von den „Hells Angels“ eingeschüchtert worden zu sein, und behauptete, erst die Polizei habe aus dem Vorfall eine „größere Affäre“ gemacht. Es sei lediglich um Geld gegangen, das er seiner ehemaligen Lebensgefährtin geschuldet habe. Die Frau ist heute mit dem Rocker verheiratet, der ihn schlug. Ein Polizist sagte indes aus, der Werkstattbetreiber habe in seiner ursprünglichen Aussage von Schutzgeld berichtet, das auch andere polnische Werkstattbetreiber zahlen müssten.

          Das Amtsgericht kam nun zu der Auffassung, dass weder eine Erpressung von Schutzgeld noch eine gemeinschaftliche Körperverletzung bewiesen werden kann, sondern nur eine einfache Körperverletzung sowie Nötigung und Beihilfe dazu. Die Rocker wurden daher jeweils zu Geldstrafen verurteilt. Auf die Frage des Gerichts nach seinen finanziellen Verhältnissen hatte Anführer Hanebuth gesagt, dass er „wegen Corona“ derzeit monatlich lediglich 2300 Euro verdiene. Nach Auskunft des Amtsgerichts wurde auf Grundlage dieser Angabe die Geldstrafe bemessen.

          Hanebuth ist Präsident des 2016 neu gegründeten „Hells Angels“-Charters „North Gate“. Die Vorläuferorganisation hatte sich im Jahr 2012 aufgelöst, mutmaßlich um einem Verbot durch die Behörden zuvorzukommen. Ein Jahr später wurde Hanebuth auf Mallorca festgenommen und verbrachte zwei Jahre in spanischer Untersuchungshaft. Die dortigen Behörden haben inzwischen Anklage gegen Hanebuth erhoben. Die Vorwürfe lauten unter anderem Geldwäsche und Bildung einer kriminellen Vereinigung.

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