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Loverboy-Masche : Rocker der Hells Angels wegen Zwangsprostitution verurteilt

Das Landeskriminalamt wertet das Urteil als „deutliches Signal“. (Symbolbild) Bild: dpa

Der Rocker soll eine junge Frau durch die Loverboy-Masche zur Prostitution gezwungen haben. Mit dem Geld habe er seinen eigenen luxuriösen Lebensstil finanziert. Es ist ein Urteil mit besonderer Bedeutung.

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          Ein Urteil mit besonderer Bedeutung hat das Amtsgericht Rosenheim gefällt. Wie das Bayerische Landeskriminalamt am Dienstag mitgeteilt hat, wurde am 12. Mai der Präsident des Charters Rosenheim der Rockergruppe Hells Angels MC wegen Zwangsprostitution und weiterer Delikte zu einem Jahr und acht Monaten verurteilt. Das Urteil gegen den 36 Jahre alten, geständigen Mann ist rechtskräftig. Laut LKA kann das Urteil als „deutliches Signal“ gelten: Denn das Gericht sah eine strafbare Ausbeutung als gegeben, auch wenn das Opfer nicht mit Gewalt zur Prostitution gezwungen wurde. Die Ausbeutung bestand vielmehr in dem „Abhängigkeitsverhältnis“ der Frau zu ihrem Zuhälter. Dieses Abhängigkeitsverhältnis habe der Verurteilte unter dem „Deckmantel einer Liebesbeziehung“ geschaffen.  

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Seit Juni 2019 hatte die Staatsanwaltschaft Traunstein zusammen mit der Abteilung für die Bekämpfung der Organisierten Kriminalität des LKA gegen den 36 Jahre alten Mann ermittelt. Zunächst ging es um den Verdacht des Kokain-Handels, der sich nicht erhärten ließ. Allerdings ergaben sich Hinweise auf Zwangsprostitution und Zuhälterei. Der Rocker lebte nach Angaben des LKA seit 2018 mit einer Prostituierten zusammen, die ihn finanzierte: „Während der Mann nicht erwerbstätig war, gab die Frau ihre hohen Einnahmen aus dem Rotlicht-Gewerbe freiwillig an ihn ab und sorgte für den gemeinsamen Lebensunterhalt.“

          Im Frühjahr 2019 begann der Mann dann eine weitere Beziehung zu einer jungen, alleinerziehenden Mutter, die in erheblichen finanziellen Schwierigkeiten war. Dabei habe er die „Loverboy-Masche“ genutzt – er baute demnach eine emotionale Bindung zu der Frau auf, indem er ihr seine Liebe vortäuschte. Doch so habe er nur seine eigentlichen „geschäftlichen Absichten“ durchsetzen wollen. Mit der Folge, dass sich die Frau „innerhalb kürzester Zeit ebenfalls prostituierte“. Sie musste demzufolge fast alles, was sie verdiente, an ihren Zuhälter abgeben.

          „Zusätzliche Einnahmequelle“

          Offenbar ging sie davon aus, ihre eigene finanzielle Lage verbessern zu können. Dabei hatte sie nach den Angaben mehrfach den Wunsch geäußert, sich nicht prostituieren zu müssen. Doch der Mann habe sie aufgrund des wirtschaftlichen und sozialen Abhängigkeitsverhältnisses dazu gebracht, weiterhin der Prostitution nachzugehen. Mit den Einnahmen in Höhe von knapp 40.000 Euro in drei Monaten hat der Zuhälter nicht etwa die Schulden der jungen Mutter beglichen, sondern seinen eigenen luxuriösen Lebensstil finanziert.

          Dazu zählte ein „gehoben ausgestattetes Einfamilienhaus“, das er mit seiner ersten Gefährtin bewohnte. Zudem Autos und Motorräder der Marken Harley Davidson, Bentley und Maserati. Das Paar habe das Geld der jungen Frau „als zusätzliche Einnahmequelle“ angesehen. Im September 2019 wurde der Mann festgenommen.

          Im Zuge der Verurteilung wurden Vermögenswerte des Zuhälters in fünfstelliger Höhe einbehalten. Das Hells Angels Charter Rosenheim wurde erst im Mai 2019 neu gegründet. Noch im selben Jahr wurde das Clubheim der Hells Angels in Tuntenhausen nach Angaben des LKA  aufgrund des öffentlichen Drucks nach einer Eröffnungsfeier wieder aufgegeben.

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