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Rio de Janeiro : Raub-und-Diebstahl-Steuer

Schöne Stadt mit schlechtem Ruf: Rio de Janeiro Bild: Reuters

Rios neuer Bürgermeister hat eine Idee, um das schlechte Image seiner Stadt aufzupolieren: Er will Touristen besteuern – damit er mit dem Geld all diejenigen entschädigen kann, die beklaut und beraubt werden.

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          Rio de Janeiro ist eine der schönsten Großstädte der Welt, doch viele Touristen werden von Gewalt und Kriminalität abgeschreckt, daran haben auch die Olympischen Spiele in diesem Jahr nichts geändert.

          David Klaubert
          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Der neu gewählte Bürgermeister der Stadt, Marcelo Crivella, will deshalb das negative Image aufpolieren und hat gleich einen Vorschlag gemacht: Auf Flugtickets von Touristen, die in der Stadt landen, könnte eine Steuer erhoben werden, sagte er bei einem Gespräch mit Unternehmern. Und von diesem Geld könnten dann all die Touristen entschädigt werden, die in Rio beklaut und beraubt werden.

          Designierter Bürgermeister und Bischof einer Pfingstkirche: Marcelo Crivella
          Designierter Bürgermeister und Bischof einer Pfingstkirche: Marcelo Crivella : Bild: dpa

          Trotz der verschärften Sicherheitsmaßnahmen rund um die Olympischen Spiele ist die Kriminalität in diesem Jahr stark gestiegen. Allein im Oktober gab es im Bundesstaat Rio 12.476 Straßenüberfälle und Diebstähle – ein Anstieg um 82 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Zahl der gewaltsamen Tötungen stieg von 444 auf 585 in einem Monat. Die meisten Todesopfer waren jung, männlich, schwarz und lebten in einer der gut 700 Favelas der Stadt. An diesem Donnerstag aber wurde ein italienischer Tourist erschossen, als er versehentlich in ein falsches Viertel geriet. Anfang des Jahres starb eine argentinische Studentin bei einem Raubüberfall in Copacabana. 

          Zuständig für die öffentliche Sicherheit ist der Bundesstaat Rio – und der ist pleite. Am Wochenende demonstrierten im Stadtzentrum Hunderte gegen radikale Sparmaßnahmen, es flogen Feuerwerkskörper und Tränengasgranaten. Viele Beamte werden entweder unregelmäßig oder gar nicht mehr bezahlt. Polizeireviere nehmen Spenden an – auch Klopapier, denn selbst dafür reicht das Geld nicht mehr. Viele Streifenwagen stehen nutzlos herum, weil es kein Benzin für sie gibt.

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          Geschichten aus Rio I : Alltag Angst Bild: Vieira, André

          Crivella, im Oktober gewählt, griff nun zur biblischen Metapher von einer Zeit der „mageren Kühe“, in der Rio stecke. Der neue Bürgermeister ist zugleich Bischof einer evangelikalen Pfingstkirche, der nicht nur Schwule und Katholiken verachtet, sondern auch an eine wundersame Touristenvermehrung zu glauben scheint. Mit seinen Maßnahmen, kündigte er an, wolle er aus durchschnittlich einer Million pro Jahr „zwei, vier, sechs Millionen“ Touristen machen.

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