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Rio de Janeiro : Polizeikrise vor dem Karneval

  • -Aktualisiert am

Mögliches Anschlagsziel: Das Sambodrom in Rio de Janeiro Bild: picture-alliance/ dpa

Die Militärpolizei von Rio de Janeiro stolpert in die Karnevalstage. Fast die gesamte Führung wurde abgesetzt, nun quittierten 45 Offiziere den Dienst. Wie soll so die Sicherheit während des Karnevalstrubels gewährleistet werden?

          Kurz vor den Karnevalstagen, zu denen 700.000 Touristen erwartet werden, wird die Militärpolizei in Rio de Janeiro von einer heftigen Krise erschüttert. Nach der Absetzung des Oberkommandierenden Ubiratan Ângelo und fast der gesamten Leitung der Militärpolizei quittierten 45 Offiziere aus Protest ihren Dienst. Sicherheits-Staatssekretär José Mariano Beltrame hatte die Führungsqualitäten der Beamten in Frage gestellt.

          Sie hätten eine Demonstration am Strand von Ipanema zugelassen, bei der Polizisten höhere Gehälter verlangten, warf er ihnen vor. Die Forderungen seien zwar berechtigt, doch müsse das Problem mit anderen Methoden gelöst werden. Vertreter der militarisierten Polizei drohten weitere Rücktritte für den Fall an, dass der Staatssekretär seine Entscheidung nicht rückgängig macht. Beltrame hat inzwischen jedoch schon einen Nachfolger für Ubiratan Ângelo ernannt.

          Polizei genießt in Rio geringes Ansehen

          Der Protest innerhalb der Militärpolizei ist die schwerste Krise in der Sicherheitspolitik des Gouverneurs von Rio, Sergio Cabral. Vor den Panamerikanischen Spielen im Juli hatte die Zivilpolizei für eine bessere Entlohnung gestreikt. Rivalitäten zwischen beiden Polizeieinrichtungen verstärkten den Protest. Die militärische Polizei fühlt sich gegenüber der zivilen schlecht bezahlt. Viele Militärpolizisten sehen sich zu Nebenbeschäftigungen gezwungen.

          In Rio genießt die Polizei geringes Ansehen, auch wenn sich der Gouverneur Cabral im Gegensatz zu seinen Vorgängern, den Eheleuten Garotinho, bemüht, mit gezielten Aktionen Verbrechen zu bekämpfen, insbesondere die Drogenkriminalität. Doch die Bilanz ist ernüchternd. Im vergangenen Jahr konfiszierten Polizeikräfte 14 Prozent weniger Drogen und 22 Prozent weniger Waffen als 2006. Die Festnahmen von Delinquenten sanken um 17 Prozent.

          Bei Zusammenstößen mit der Polizei, vor allem bei Razzien in den Favelas, kamen 1260 Personen um, darunter viele Unbeteiligte, 18 Prozent mehr als 2006. Trotz der Krise sollen während der Karnevalstage in Rio Tausende von Polizisten zusätzlich eingesetzt werden. Die Polizeikräfte sollen die Favelas im Zentrum der Stadt besetzen, um zu verhindern, dass von dort aus das Sambodrom beschossen wird.

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