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In Barcelona : Riesen-Razzia gegen „Narcopisos“

Einsatz am Montag: Seit Monaten kämpfen die Behörden gegen die „Narcopisos“. Bild: AP

800 Polizisten haben in Barcelona mehr als 40 Wohnungen durchsucht, während ein Hubschrauber über dem Stadtzentrum kreiste. Die Razzia galt vor allem einem dominikanischen Mafia-Clan.

          Am Montagmorgen glich die Altstadt von Barcelona einer besetzten Zone. Gut 800 Polizisten durchsuchten mehr als 40 Wohnungen, während ein Hubschrauber über dem Stadtzentrum kreiste. Seit Monaten kämpfen die Behörden gegen die „Narcopisos“: Das sind Wohnungen, in denen Rauschgifthändler Heroin, Crack und andere Drogen verkaufen, die dort oft gleich konsumiert werden. Vor den Kommunalwahlen im nächsten Jahr greifen Stadtverwaltung und Behörden nun härter durch.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Die Razzia galt vor allem einem dominikanischen Mafia-Clan. Die Beamten nahmen in Barcelona und zwei Nachbarorten nach eigenen Angaben mehr als 30 Verdächtigte fest. Seit 2017 durchsuchte und räumte die Polizei schon mehr als hundert solcher Wohnungen. Die Bewohner der Viertel fühlen sich in ihren Häusern und den engen Gassen nicht mehr sicher. Im Stadtteil Raval, der auch bei vielen ausländischen Besuchern beliebt ist, nehmen Kriminalität und Gewalt auf den Straßen zu. Dabei werden immer häufiger Messer und sogar Macheten eingesetzt.

          Verzweifelte Einwohner drohten der Bürgermeisterin Ada Colau und ihrer linksalternativen Minderheitsregierung im September damit, die wichtigste Durchgangsstraße zu blockieren, wenn sie nicht bald für mehr Sicherheit sorge. Doch das erweist sich als schwierig.

          Im Sommer schloss die Polizei im Raval-Viertel eines der aktivsten „Narcopisos“. In der Wohnung, die sich in der Nähe mehrerer Schulen befand, kamen laut Presseberichten zeitweise bis zu 200 Kunden in der Stunde vorbei. Kaum war sie geräumt, wichen die Dealer angeblich in einen ungenutzten Laden in der Nähe aus. An leerstehenden Immobilien mangelt es in Spanien nicht, seit dort vor zehn Jahren die Immobilienblase geplatzt war. Viele tausend Menschen mussten ihre Wohnungen räumen, weil sie ihre Kredite nicht mehr zurückzahlen konnten. Ein Teil der Immobilien wurde besetzt – auch von Rauschgifthändlern.

          Das lässt sich auch in der Region Madrid beobachten. Dort spricht man von rund 1000 Wohnungen unter Kontrolle mafiöser Gruppen. In der Altstadt der Hauptstadt sind Viertel wie La Latina und Lavapiés betroffen, die Touristen gerne aufsuchen.

          Spanien ist zum wichtigsten Einfallstor für den internationalen Rauschgiftschmuggel geworden. An der Südküste Andalusiens landen unweit der Kleinstadt La Línea an manchen Tagen bis zu 20 Schnellboote mit Haschisch aus Marokko. In einige Viertel der Stadt, die in der Nähe von Gibraltar entfernt liegt, wagt sich die Polizei nicht mehr hinein. Obwohl der Polizei in diesem Jahr ein schwerer Schlag gegen den Schmugglerclan der Familie Téjon gelang, kommt weiter viel Rauschgift über die Straße von Gibraltar. Im Süden Andalusiens, wo rund ein Drittel der Menschen keine Arbeit hat, sind die schnellen Gewinne offenbar zu verlockend.

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