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Richard Ramírez : Der Serienmörder und seine Groupies

  • -Aktualisiert am

Ramírez nach seiner Verurteilung am 20. September 1989 Bild: ASSOCIATED PRESS

Serienmörder wie der „Night Stalker“ Richard Ramírez bekommen auch viele Jahre nach ihrer Verurteilung Post von Frauen - und Heiratsanträge. Gefängniswärter wundern sich, Soziologen suchen nach Antworten. Die Geschichte einer merkwürdigen Beziehung.

          7 Min.

          Ihren Freunden und Kollegen hat sie nichts erzählt. Wüssten sie davon, sagt Susan, würden sie nie wieder mit ihr sprechen. Nicht einmal ihre beiden Kinder hat sie eingeweiht. Ihr Ehemann ist im Bilde, aber er will nichts damit zu tun haben. Außer ihm wissen nur wenige enge Familienmitglieder von Susans Beziehung zu dem Serienmörder Richard Ramírez, der seit 21 Jahren im Todestrakt von San Quentin in Kalifornien seiner Hinrichtung entgegensieht.

          Stefan Tomik
          Redakteur in der Politik.

          Sie sei fasziniert von ihm, sagt Susan, 30, die im Einzelhandel und zudem in einer Grundschule arbeitet und ihren richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. Sie sah Berichte über Ramírez im Fernsehen und las ein Buch über ihn, das sie einfach nicht aus der Hand legen konnte. Aus Neugier schrieb sie ihm und war überrascht, als er ihr antwortete. Das war 2006. Aus Neugier wurde Besessenheit; sie schrieb bis zu zwanzig Briefe in der Woche. Und tat, was er wollte. Ramírez fragte nach Bildern, die sie im Bikini zeigten. Sie schickte welche. Er fragte nach Fotos, die sie in Socken zeigten. Sie bediente seine Obsessionen. Mehr als 600 Briefe hat sie ihm mittlerweile geschrieben und ihn im Gefängnis besucht.

          „Ich liebe seine großen Hände“

          „Was mich zu ihm hinzog“, sagt sie, „war die Art und Weise, wie er mir zuhörte. Als ich ihm über mich und mein Leben erzählte, hörte er einfach nur zu, und ich fand das großartig. Er sieht gut aus, und ich liebe seine großen Hände. Der Nervenkitzel, in ein Gefängnis zu gehen, ließ meinen Traum wahr werden, einem der am meisten gefürchteten Männer Amerikas gegenüberzustehen.“ Die Angst vor Ramírez, die Susan bei ihrem Besuch im Gefängnis begleitete, verflog. „Er ist jetzt anders als in seinen jungen Jahren. Er ist lustig und gelassen, reißt viele Witze und ist sensibel für die Bedürfnisse jeder Frau, auch meine.“ Ramírez sei „ein komplizierter Mann“, sagt sie, „aber im Herzen ist er ein Romantiker“.

          Der „Night Stalker” vor Gericht
          Der „Night Stalker” vor Gericht : Bild: ASSOCIATED PRESS

          Susan spricht über den Mann, der Mitte der achtziger Jahre den Großraum Los Angeles in Panik versetzte. Ricardo (Richard) Muñoz Ramírez, der „Night Stalker“, drang nachts in Häuser ein und vergewaltigte, erschlug, erstach oder erschoss seine Opfer in ihren Schlafzimmern. Vor allem Paare suchte er auf, tötete den Mann auf der Stelle, durchsuchte dann die Wohnung nach Wertsachen, verging sich an der Frau und ermordete schließlich auch sie. In einem der damals aufwendigsten Strafverfahren Amerikas wurde er 1989 wegen dreizehn Morden und 30 weiteren Straftaten, unter ihnen Vergewaltigungen und versuchte Morde, zum Tod in der Gaskammer verurteilt. Die Strafe wurde bis heute nicht vollstreckt, weil Ramírez immer wieder juristische Schritte dagegen unternahm.

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