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Untreueprozess in Halle : Mehr als drei Jahre Haft für „König von Deutschland“

Mit aufgesticktem Wappen erschien der Angeklagte im Oktober 2016 vor dem Landgericht in Halle/Saale. Bild: dpa

Er hatte 2012 ein eigenes Königreich ausgerufen und unerlaubte Bankgeschäfte betrieben. Der Prozess gegen Peter Fitzek hatte einen Einblick in die bizarre Vorstellungswelt der sogenannten Reichsbürger gegeben.

          „König von Deutschland“, „Imperator Fiduziar“ oder „Sohn des Horst“ lässt er sich von seinen Untertanen nennen. Im Landgericht Halle heißt er Peter Fitzek. Dorthin ist er am Mittwoch zum letzten Mal gebracht worden, um auf der Anklagebank Platz zu nehmen. Das Gericht verurteilte ihn wegen unerlaubter Bankgeschäfte zu drei Jahren und acht Monaten Haft.

          Reinhard Bingener

          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          Der Prozess hatte einen Einblick in die bizarre Vorstellungswelt der sogenannten Reichsbürger gegeben. Fitzek gilt als feste Größe in der Szene, obwohl der Verfassungsschutz ihn eher der Gruppe der „Selbstverwalter“ zurechnet. Im Jahr 2009 hatte Fitzek den Verein „NeuDeutschland“ gegründet, dessen Ziel die Errichtung eines Deutschlands in den Grenzen von 1937 war. Drei Jahre später rief der gelernte Koch dann das „Königreich Deutschland“ aus – und sich selbst zu dessen König. Vor diesem Karrieresprung hatte sich der 51 Jahre alte Fitzek unter anderem als Karatelehrer und Betreiber eines Esoterikladens versucht. Nun herrschte er über ein eigenes „Staatsgebiet“, das vorerst allerdings auf ein altes Krankenhausgelände in Wittenberg beschränkt blieb. Als König erließ Fitzek dort ein Rauchverbot und verordnete vegetarische Kost. Fitzek bastelte sich für sein Reich auch eigene Autokennzeichen und stellte sich selbst einen Führerschein aus. Dafür wurde er bereits verurteilt.

          „Königliche Reichsbank“ in der Fußgängerzone von Wittenberg

          Der Prozess vor dem Landgericht Halle hatte nun Geldgeschäfte zum Gegenstand, vor allem in der „Königlichen Reichsbank“, die Fitzek mitten in der Fußgängerzone der Lutherstadt Wittenberg unterhielt. Mit einigem Erfolg, denn es mangelte nicht an Leuten, die ihr Vertrauen eher in einen selbsternannten König setzten anstatt in eine gewöhnliche Bank. Der Anwalt, der mit der Abwicklung von Fitzeks dichten Geflechts aus Vereinen und Stiftungen beauftragt ist, sprach im Prozess von 2,79 Millionen Euro, die Anleger eingezahlt hätten. Von mehreren hunderten Anlegern war im Prozess die Rede, die Fitzek teils hohe Summen anvertraut hätten.

          Fünf Anleger hätten ihm jeweils 50.000 Euro gegeben, berichtete die Staatsanwaltschaft. Ein anderer habe 300.000 Euro investiert. Der Verbleib des Geldes sei unklar, die Anleger dürften davon nur einen Bruchteil wiedersehen. Die Staatsanwaltschaft warf Fitzek in ihrem Plädoyer am Dienstag deshalb vor, er habe unerlaubte Bankgeschäfte in Höhe von 2,3 Millionen Euro betrieben und 1,3 Millionen Euro davon aus egoistischen Motiven für sich verwendet. Es habe keine Buchführung gegeben. Das ganze System habe nach dem „Schneeballprinzip“ funktioniert. Die Staatsanwältin hatte deshalb vier Jahre Haft für Fitzek gefordert. Dessen Verteidigung argumentierte hingegen, der „König von Deutschland“ habe sich nicht bereichert. Fitzek habe lediglich seine persönlichen Vorstellungen mit dem Geld verwirklichen wollen.

          Die Untertanen auf dem Krankenhausgelände in Wittenberg wollen ihrem „König von Deutschland“ dennoch die Treue halten und auch ihre eigenen Fantasietitel weiter behalten. Von einem Urteil eines aus ihrer Sicht nicht legitimen Gerichts lassen sie sich nicht beeindrucken.

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