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Jan Philipp Reemtsma: „Es ist keine große Befriedigung, in einer solchen Sache Recht behalten zu haben.“ Bild: dpa

Reemtsma über Entführer : „Er wird immer älter und ungeduldiger und gefährlicher“

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Schon vor 20 Jahren forderte Jan Philipp Reemtsma, dass sein Entführer für immer ins Gefängnis müsse. Nun werden Thomas Drach weitere schwere Verbrechen vorgeworfen – und Reemtsma erinnert an seine Warnung.

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          Nach der abermaligen Festnahme seines Entführers Thomas Drach sieht sich der Hamburger Mäzen und Soziologe Jan Philipp Reemtsma in seiner Prognose bestätigt. Im Prozess um seine Entführung habe er als Nebenkläger Sicherungsverwahrung für Drach gefordert. „Es war klar, dass das, was er tat, immer gefährlicher für andere Menschen wurde“, sagte Reemtsma in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. „Aber es ist keine große Befriedigung, in einer solchen Sache Recht behalten zu haben.“

          Reemtsma war am 25. März 1996 auf seinem Grundstück in Hamburg-Blankenese entführt worden. Drach und Komplizen hielten ihn 33 Tage lang angekettet in einem Kellerverlies bei Bremen gefangen. Mit der Drohung, ihn zu töten, erpressten sie ein Lösegeld von umgerechnet rund 15 Millionen Euro. Nach Übergabe des Geldes ließen sie ihn frei.

          Drach war zwei Jahre später in Buenos Aires verhaftet worden. Das Hamburger Landgericht verurteilte ihn 2001 wegen erpresserischen Menschenraubs zu 14 Jahren und sechs Monaten Haft, verhängte aber keine Sicherungsverwahrung. Nach Verbüßung der Strafe war Drach 2013 freigekommen. Am 23. Februar dieses Jahres wurde er in Amsterdam abermals verhaftet. Dem 60-Jährigen werden drei Raubüberfälle zur Last gelegt. Es droht ihm die Auslieferung nach Deutschland.

          „Er muss weitere Verbrechen begehen“

          Er habe schon im Prozess vor 20 Jahren gesagt, dass Drach in seinem Leben nichts weiter gemacht habe, als kriminelle Handlungen zu begehen. Drachs Idee bei der Entführung sei gewesen, einmal so viel Geld zusammenzubekommen, dass er entweder einen luxuriösen Lebensabend habe oder das Startkapital für ein weiteres, noch größeres Verbrechen. Doch das sei ihm misslungen. „Er hat dieses Lösegeld offensichtlich nicht mehr, er muss weitere Verbrechen begehen. Und er wird immer älter und ungeduldiger und gefährlicher“, warnte Reemtsma. Es sei genauso gekommen, wie er es schon damals gesagt habe. „Jetzt sind da zwei Menschen schwer verletzt, weil er nicht in Sicherungsverwahrung genommen wurde“, sagte der Soziologe.

          Im aktuellen Verfahren wird Drach vorgeworfen, im März 2019 bei einem Überfall auf einen Geldtransporter am Flughafen Köln/Bonn mit einem Sturmgewehr einen Wachmann angeschossen und schwer verletzt zu haben. Bei einem ähnlichen Überfall im November 2019 in Frankfurt war ebenfalls ein Wachmann angeschossen und schwer verletzt worden.

          Sollte Reemtsma in einem neuen Prozess gegen Drach als Zeuge geladen werden, würde er seiner Pflicht zur Aussage nachkommen. „Ich würde mich sicher nicht darauf freuen, das noch mal zu machen“, sagte der 68-Jährige. So eine Aussage wäre eine psychisch anstrengende Angelegenheit. „Aber was gemacht werden muss, muss gemacht werden.“

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