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Reemtsma-Entführer : Drach wird nach Deutschland ausgeliefert

Nach 15 Jahren Haft verließ Thomas Drach 2013 das Gefängnis Hamburg-Fuhlsbüttel. Bild: dpa

Ein Gericht in Amsterdam hat entschieden, dass der frühere Reemtsma-Entführer Thomas Drach nach Deutschland überstellt wird. Er soll drei Raubüberfälle begangen haben.

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          Der frühere Reemtsma-Entführer Thomas Drach wird an Deutschland ausgeliefert. Er werde der Kölner Justiz überstellt, entschied ein Amsterdamer Gericht am Dienstag. Drach war am 23. Februar in der Wohnung eines Bekannten in Amsterdam verhaftet worden – auf der Grundlage eines europäischen Haftbefehls. Die Kölner Staatsanwaltschaft legt ihm drei Raubüberfälle auf Geldtransporter in Köln und Frankfurt zur Last. Daran soll eine weitere Person beteiligt gewesen sein, ein 52 Jahre alter Niederländer, der Ende März in der Nähe von Amsterdam verhaftet worden war. Auch gegen ihn läuft ein Auslieferungsverfahren.

          Thomas Gutschker
          (T.G.), Politik

          Drach und sein Komplize sollen im März 2019 einen Geldtransporter am Flughafen Köln/Bonn überfallen haben. Dabei wurde ein Wachmann angeschossen. Die Täter erbeuteten lediglich 400 Euro. Sie zündeten ihr Fluchtauto in der Nähe des Flughafens an und entkamen mit einem anderen Fahrzeug. Acht Monate später kam es zu einem ähnlichen Überfall auf einen Geldtransporter vor einer Ikea-Filiale in Frankfurt am Main. Ein Wachmann wurde schwer verletzt, die Täter erbeuteten 58.600 Euro.

          An dem Fluchtauto, das abermals angezündet wurde, fanden Ermittler DNA-Spuren, die auf Drach hinwiesen. Den Wagen hatte ein Mann zwei Monate zuvor als gestohlen gemeldet, der ein Vertrauter Drachs sein soll. Die Staatsanwaltschaft verdächtigt Drach eines weiteren Überfalls  auf einen Geldtransporter, 2018 vor einer Ikea-Filiale in Köln-Godorf.

          2013 aus der Haft entlassen

          Drach, 1961 in Erftstadt geboren, hatte 1996 den Erben des Reemtsma-Konzerns und Soziologen Jan-Philipp Reemtsma mit mindestens drei Komplizen in Hamburg entführt und hohe Lösegeldbeträge gefordert. Das Opfer wurde 33 Tage lang in einem Kellerverlies gefangen gehalten. Die Täter erpressten 15 Millionen D-Mark und 12,2 Millionen Schweizer Franken. Drach entkam nach Uruguay, wo er ein Luxusleben führte, bis er 1998 von argentinischen Zielfahndern in Buenos Aires festgenommen wurde. Im Jahr 2000 wurde er dann zu einer langen Freiheitsstrafe verurteilt, entging aber einer anschließenden Sicherungsverwahrung, die die Staatsanwaltschaft gefordert hatte. Ende 2013 wurde er aus der Haft entlassen. Kurz darauf soll er abermals in Straftaten verwickelt gewesen sein. Die Polizei hat bisher nur einen geringen Teil des Lösegelds von einst aufgespürt, Drach schwieg über dessen Verbleib.

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