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Niedersachsen : Rechtsstreit um Kindesentziehung geht weiter

Der Angeklagte spricht am Donnerstag mit seinem Verteidiger im einem Gerichtssaal des Landgerichts in Hannover. Bild: dpa

Seine ehemalige deutsche Frau hat das alleinige Sorgerecht. Doch ein tunesischer Vater hält die gemeinsamen Kinder in seinem Heimatland fest. Jetzt deutet er Kompromissbereitschaft an – die Frau misstraut dem.

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          Im Fall zweier Kinder aus Niedersachsen, die in der tunesischen Heimat ihres Vaters festgehalten werden, deutet sich möglicherweise eine Rückkehr nach Deutschland an. Der 40 Jahre alte Deutsch-Tunesier, der seit Frühjahr 2016 wegen Kindesentziehung in Haft ist, sagte am Donnerstag vor dem Landgericht Hannover, er wolle sich telefonisch für eine Rückkehr seiner neun und zehn Jahren alten Töchter nach Deutschland einsetzen.

          Reinhard Bingener

          Politischer Korrespondent für Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Bremen mit Sitz in Hannover.

          „Herr Richter, ich möchte auch, dass die Kinder nach Deutschland zurückkommen“, sagte der Vater und klagte zugleich über seine lange Inhaftierung in Deutschland.

          Die Familie des Vaters hält die beiden Kinder seit dem Sommer 2015 im tunesischen Bergdorf Kasserine fest, obwohl die 38 Jahre alte Mutter Katharina S. sowohl in Deutschland wie auch in Tunesien das alleinige Sorgerecht für die Mädchen besitzt. Die tunesischen Behörden gaben der Mutter, die die Kinder ab und an besuchen konnte, zwar formal mehrfach Recht, setzen dies aber nicht gegen die Familie des Vaters in der abgelegenen Region durch.

          Auch die Bemühungen der Bundesregierung führten bislang nicht zum Erfolg. Der Fall war sogar während der Tunesienreise von Bundeskanzlerin Angela Merkel angesprochen worden.

          Der Richter des Landgerichts sagte am Donnerstag, der rechtswidrige Zustand der Kindesentziehung bestehe fort. Gegen den Vater wird es deshalb eine weitere Anklage geben. Weil Kindesentziehung ein Dauerdelikt ist, kann der Vater immer wieder dafür verurteilt werden.

          Nach der Ankündigung ihres früheren Ehemannes vom Donnerstag, sich für die Rückkehr der Kinder nach Deutschland einzusetzen, äußerte sich die Mutter, sie zweifele nach wie vor daran, dass er tatsächlich einlenken werde. Die Mutter klagte, mittlerweile spreche eine ihrer beiden Töchter die deutsche Sprache nicht mehr. Nach dem Gerichtstermin wollten sich beide Parteien zu einem Mediationstermin treffen.

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