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Rauschgifthandel : „Innovativ, dynamisch und anpassungsfähig“

Cannabiskraut wird zunehmend in Europa selbst angebaut und verkauft Bild: AFP

Der Drogenmarkt in Europa entwickelt sich dank des Internets prächtig, lautet die Analyse des ersten Rauschgiftberichts von Europol und EU. Besonders gefragt sind synthetischen Rauschgifte wie Amphetamin.

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          Der Markt für Rauschgifte in Europa könnte kaum besser funktionieren: „Innovativ, dynamisch und anpassungsfähig“, so beschrieb die EU-Kommissarin für Inneres, die Schwedin Cecilia Malmström, am Donnerstag die wichtigsten Merkmale des modernen europäischen Rauschgiftmarktes. Dadurch veränderten sich auch die Probleme, mit denen sich Rauschgiftgebraucher wie die Organe der Strafverfolgung konfrontiert sehen. Neben den Rauschgiften und Gebrauchsformen, die in den vergangenen Jahrzehnten die europäische Szene bestimmt hätten, sei ein weites Spektrum neuer Substanzen und Verhaltensweisen getreten, hieß es anlässlich der Vorstellung des ersten gemeinsamen Rauschgiftberichts von Europol und der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht (EBDD).

          Daniel Deckers

          in der politischen Redaktion verantwortlich für „Die Gegenwart“.

          Wie sich der Rauschgiftmarkt durch neue Technologien, die Nutzung des Internets und die Globalisierung von Warenströmen aller Art verändert hat, illustrierte die schwedische Politikerin mit zahlreichen Beispielen: Das Internet sei für die Gebraucher wie für die Anbieter ein sicherer und vor allem schneller Ort, um zueinander zu finden. Im Zeitalter von Mobiltelefonen und Internet hätten „virtuelle Marktplätze“ örtliche gebundene Szenen weitgehend ersetzt. Das Internet dient nach Erkenntnissen von Europol und EBDD, auf die sich Malmström bezog, zudem als Plattform, auf der sich Trends wie auch Informationen über die Herstellung von synthetischen Rauschgiften grenzenlos und schnell verbreiten.

          Mobile Laboratorien zur Rauschgiftproduktion

          Es ist daher nicht verwunderlich, dass sich der Sektor der synthetischen Rauschgifte, allen voran Amphetamin und seine Derivate, schneller entwickelt als alle anderen. Neue Substanzen werden in immer kürzeren Abständen auf den Markt gebracht und nach Möglichkeit immer näher an den entsprechenden Märkten produziert - bis dahin, dass die Hersteller mobile Laboratorien zur Rauschgiftproduktion einsetzen.

          Dynamisch entwickelt hat sich auch das Angebot an Cannabis. Vor allem Cannabiskraut (Marihuana) wird zunehmend in Europa selbst angebaut und vertrieben - wie im Fall der synthetischen Rauschgifte tatkräftig befördert durch kriminelle Gruppen „nordwesteuropäischen Ursprungs“. Im Klartext: Aufgrund ihrer geographischen Lage und ihrer jahrhundertealten Vertrautheit mit allen Facetten von Distribution und Logistik sind Niederländer und Belgier weiterhin die Schrittmacher des Rauschgiftmarktes. Bestätigt wird diese nicht neue Erkenntnis der Sicherheitsbehörden durch die Analyse der Warenströme und der internationalen Arbeitsteilung auf dem Feld des Rauschgifthandels. Während die Herkunftsregionen der „klassischen“ Rauschgifte Heroin und Kokain weitgehend gleich geblieben sind, haben sich die Transportrouten im Zuge der Globalisierung vervielfacht. Afrika ist mittlerweile ebenso Teil der Distributionskette für Kokain wie die Häfen am Schwarzen Meer oder im Baltikum. Transportiert wird das Rauschgift dabei immer häufiger in Verbindung mit legalen Gütern, gern aber auch per Luftfracht.

          Um diesen Entwicklungen begegnen zu können, beschwor Malmström zusammen mit den Direktoren von Europol, Rob Wainwright, und der EBDD, dem Deutschen Wolfgang Götz, die Zusammenarbeit der europäischen Sicherheitsbehörden. Diese müssten ebenso innovativ, dynamisch und anpassungsfähig sein wie die Kriminellen, mit denen sie es zu tun hätten. Dass gute Politik auf diesem Feld auch gute Ergebnisse zeitigen könnte, illustrierte Götz anhand des Rückgangs des Heroin-Gebrauchs in Europa: Das Angebot sei dank guter Polizeiarbeit zurückgegangen, die Nachfrage dank guter Gesundheitspolitik.

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