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Rangun : Punk gegen den Polizeistaat

  • -Aktualisiert am

In der Zeit reifte der Gedanke, sich noch stärker gegen die Regierung aufzulehnen. Deswegen gründete Kyaw Kyaw seine Band, die Rebel-Riots. Er ist Sänger und Songwriter. Die anderen Mitglieder wechseln ständig. Manche bekommen Angst und hören auf, andere haben neben der Arbeit keine Zeit mehr, heimlich Punk zu sein. Auch mit ihrer Musik äußern sie ihren Ärger auf den Staat und die Gesellschaft. Damit sind sie nicht nur Systemkritiker, sondern auch Staatsfeinde.

Zeichen setzen mit Haarspray und Föhn

Einmal traten die Rebel-Riots sogar auf einer kleinen Bühne in einem Club auf. Im Video sieht man einen in das Mikrofon brüllenden Kyaw Kyaw, der wild über die Bühne tanzt und sich in die Arme des jubelnden Publikums wirft. Vor der Bühne stehen aufgekratzte Fans, die schwitzen, schreien und ihn auffangen. Aber warum duldete das Regime ihren Auftritt? Warum ist ihnen bisher nichts passiert? „Wir sind eine zu kleine Gruppe, sie nehmen uns nicht ernst“, glaubt Kyaw Kyaw. Außerdem verstehe die Junta nicht, was Punk eigentlich sei. Da irrt er sich, denn die Junta hat ihren Staat fest im Griff. Der Sänger Scum von der Punk-Band System Holocaust sitzt wieder im Gefängnis, weiß Kyaw Kyaw. Scum war erst im vergangenem Jahr aus dem berüchtigten Insein-Gefängnis entlassen worden, damals saß er wegen Rauschgiftbesitzes ein. Nun halte man ihn wegen seiner Kritik am Staat fest.

Ihre Treffpunkte sind Hinterhöfe, Keller und Wohnungen. Wenn er und seine Freunde feiern wollen, dann müssen sie lange sparen. In einer schwülen Mittwochnacht trifft sich Kyaw Kyaw mit zwei Freunden, die sich Ku Ku und Metal nennen. Sie gehen zu Metal, durchqueren das Zimmer, in dem die Familie schläft, und ziehen den Vorhang zur Küche zu. Dann holen sie einen Plastikfön und eine Dose Haarspray hervor und frisieren Kyaw Kyaw zwei Stunden lang. Am Ende stehen ihm seine Haare in wie Stachel ab, genau wie bei den beiden anderen

„Ich hasse diesen Staat, weil ich ein Mensch bin!“

Erst um zwei Uhr morgens ziehen die drei los, um zu feiern. Mit einem klapprigem Taxi fahren sie zu einem Hochhaus. „Heute Abend machen wir durch“, freut sich Kyaw Kyaw, „denn wir sind Punks.“ Sie laufen die acht Stockwerke hinauf zu der Bar, der Fahrstuhl ist kaputt. Es gibt kein Licht. Verrostete Rohre und Müll liegen auf den schmutzigen Steintreppen, die in den Club führen, der eigentlich nur ein tristes Hotelzimmer ist, das sie für eine Nacht mieten. Es stinkt, die Toilettentür fehlt, Neonlicht erhellt den fiesen Raum.

Aber es ist eine feindfreie Zone, die sie sich manchmal gönnen können. Sie setzen sich auf ein abgewetztes Sofa, rauchen und schwatzen. Sie legen sich mit ihren schweren Schuhen gemeinsam auf das durchgelegene Doppelbett und schauen sich Filme auf einem Laptop an. „Normalerweise schauen wir Pornos“, sagt Kyaw Kyaw. „Aber heute natürlich nicht.“ Plötzlich dreht sich Ku Ku um und fragt: „Weißt du warum ich diesen Staat hasse?“ Er gibt sich die Antwort selbst: „Weil ich ein Mensch bin.“ Ku Ku lächelt, aber sein Gesicht wirkt traurig. Er hat vor drei Jahren seine Tochter und seine Frau im verheerenden Wirbelsturm Nargis verloren, der vor allem Burma schwer traf. Die Regierung habe ihm nicht geholfen. Die Zehntausenden Opfer im ganzen Land seien im Stich gelassen worden. Seit diesem Schicksalsschlag ist auch Ku Ku Punk.

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