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Übergriffe in Schorndorf : Da waren es nur noch Hundert

  • Aktualisiert am

Nach der chaotischen Nacht hat die Polizei ihre Präsenz verstärkt. Das Fest ging am Dienstag ruhig zu Ende. Bild: dpa

Gab es auf dem Stadtfest in Schorndorf wirklich ein zweites Köln – mit sexuellen Übergriffen und 1000 randalierenden Jugendlichen? Der Abschlussbericht der Polizei spricht eine andere Sprache.

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          Nach den Berichten über Belästigungen und Ausschreitungen bei einem Volksfest in Schorndorf am vergangenen Wochenende haben Stadt und Polizei in einem Bericht und auf einer Pressekonferenz vorherige Aussagen und Berichte korrigiert. Nicht 1000, sondern 100 Jugendliche hätten randaliert.

          Was geschah tatsächlich auf dem baden-württembergischen Volksfest?

          Zunächst war die Rede von rund 1000 Jugendlichen und jungen Erwachsenen gewesen, die sich auf dem Schlosspark am Rand des Festes versammelt hätten. Diese hätten überwiegend Migrationshintergrund gehabt, mit Flaschen geworfen und eine gewaltsame Konfrontation mit der Polizei gesucht. Die Beamten hätten sich sogar zeitweise zurückziehen müssen. Zusätzliche Berichte über sexuelle Belästigungen durch Flüchtlinge riefen bei vielen die Ereignisse der Kölner Silvesternacht in Erinnerung. Bürgermeister Matthias Klopfer (SPD) wehrte sich gar gegen Vorwürfe, in seiner Stadt habe der Ausnahmezustand geherrscht.

          Gewaltpotential ging von Gruppe mit 100 Personen aus

          Mit einem vorläufigen Abschlussbericht und einer gemeinsamen Pressekonferenz mit der Stadt Schorndorf hat die Polizei nun das Geschehen präzisiert. Tatsächlich hatten sich rund 1000 junge Leute, darunter ortsansässige Gymnasiasten und Realschüler, versammelt und  teils erhebliche Mengen Alkohol getrunken. Der Großteil von ihnen verhielt sich aber friedlich, hieß es am Donnerstag. Bei der Annahme, dass die ganze Gruppe an den Gewalttaten beteiligt war, habe es sich  um eine Fehlinterpretation in Berichten der Deutschen Presse-Agentur (dpa) gehandelt, sagte Polizeipräsident Roland Eisele bei der Pressekonferenz. Die dpa selbst versendete am Donnerstag eine entsprechende Korrektur.

          Dem Polizeibericht nach schritten die Beamten in der Nacht von Samstag auf Sonntag das erste Mal ein, als gegen 22 Uhr Flaschen gegen die Fassade des Schlosses geworfen wurden. Dabei traf ein 16-jähriger Deutscher einen 19 Jahre alten Syrer am Kopf, der leicht verletzt wurde. Wegen anhaltender Flaschenwürfe zogen die Beamten sich zurück, um Körperschutzausstattung anzuziehen und Verstärkung anzufordern.

          Kurz nach 1 Uhr sollte ein 20 Jahre alter Deutscher wegen Körperverletzung festgenommen werden. Eine Gruppe von rund 100 Personen, überwiegend mit Migrationshintergrund, solidarisierte sich mit dem jungen Mann und versuchte, die Festnahme zu verhindern. Dabei warfen sie mit Flaschen und trafen mehrere Beamte, die Dank der Schutzkleidung unverletzt blieben. Von der Gruppe sei ein hohes Gewaltpotential ausgegangen, berichteten die Beamten später. Die Täter hätten im Schutz der Menge und der Dunkelheit agiert.

          Insgesamt wird in neun Fällen von sexueller Belästigung ermittelt

          Auf dem Weg vom Fest zum Bahnhof kam es ebenfalls zu einer Schlägerei und mehreren Körperverletzungen. Berichte über einzelne Beteiligte, die Messer mit sich geführt haben sollen, konnte die Polizei noch nicht bestätigen, ebenso wenig solche über den Einsatz einer Schreckschusswaffe am Friedhof. Die Ermittlungen in beiden Fällen dauern an.

          Des Weiteren gab es über das Festwochenende hinweg mehrere Fälle von sexueller Belästigung. Berichte über ein zweites Köln weißt die Polizei jedoch klar zurück. Die Ereignisse in Schorndorf seien „nicht mit ähnlichen Vorkommnissen in der jüngeren Vergangenheit in Deutschland vergleichbar.“ Insgesamt wurden in diesem Jahr neun Fälle zur Anzeige gebracht, heißt es im Bericht. In drei Fällen ermittelt die Polizei wegen Nötigung, in vier Fällen wegen sexueller Belästigung gegen unbekannt und in zwei Fällen wurden die Täter bereits ermittelt. Es handelt sich in einem Fall um einen 20 Jahre alten Iraker, in dem anderen um drei Afghanen zwischen 17 und 18 Jahren.

          Nach dem fünftägigen Fest ermittelt die Polizei mit rund 53 Straftaten in doppelt so vielen Fällen wie im Vorjahr. Angezeigt wurden auch mehrere Diebstähle und Sachbeschädigungen. Gerade die Gewalt gegen die Beamten habe dramatische Ausmaße erreicht. „Ich bin nicht bereit, gewalttätige Übergriffe und andere Straftaten gegen meine Kolleginnen und Kolleginnen zu tolerieren. Wir werden mit aller Entschlossenheit gegen solche Straftäter vorgehen“, sagte Polizeipräsident Roland Eisele. Die Zusammenarbeit mit der Stadt und dem Veranstalter wolle er weiter verbessern. „Wir wollen auch in Zukunft Schorndorfer Bürgerinnen und Bürgern unbeschwerte Festtage auf der Schorndorfer Woche ermöglichen.“

          Nach der Krawallnacht hatte die Polizei ihre Präsenz auf dem Volksfest deutlich erhöht. Am Dienstagabend ging das Fest ruhig zu Ende.

          Vorfälle in Schorndorf werden im Stuttgarter Landtag diskutiert

          In Schorndorf leben knapp 40.000 Einwohner. Dort sind auch 700 Asylbewerber untergebracht. Bereits am Montag sagte ein Sprecher des zuständigen Polizeipräsidiums Aalen, man wolle Flüchtlinge keinesfalls unter einen Generalverdacht stellen. Es habe sich um eine Minderheit gehandelt, die sicher nicht für die Mehrheit der Flüchtlinge stehe. Auch Bürgermeister Klopfer betonte Anfang der Woche, man habe die Situation „gut im Griff“. Seit der Flüchtlingskrise gebe es mehr Ladendiebstähle, mehr Schwarzfahrer und mehr Verstöße gegen das Ausländerrecht. „Einen Anstieg von Gewalt- oder Sexualdelikten verzeichnen wir aber nicht.“

          Am Donnerstag war Schorndorf auch auf der Agenda der Sitzung des Stuttgarter Landtags. AfD-Fraktionschef Jörg Meuthen sah die Ursache des Problems bei den Flüchtlingen. Mit ihnen sei auch „ein gewalttätiger Mob“ nach Deutschland gekommen. Parteikollegin und AfD-Spitzenkandidatin Alice Weidel sprach von „Vertuschung und Kleinreden“. Innenminister Thomas Strobl (CDU) hingegen warnte davor, voreilige Schlüsse und Vergleiche mit der Silvesternacht in Köln zu ziehen. „Ich rate allen: Lassen wir die Kirche im Dorf.“ Baden-Württemberg sei eines der sichersten Bundesländer. Man könne weiter unbesorgt auf Stadtfeste gehen.

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