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Reisewarnung für Rom : Heilige Stadt, diebische Stadt

Große Menschenmassen, wie hier auf dem Petersplatz, sind ein Paradies für Taschendiebe Bild: dpa

Rom hat mit sehr irdischen Problemen zu kämpfen: täglich rauben Banden Touristen aus. England hat nun sogar seine Bürger vor einem Urlaub in der Kulturmetropole gewarnt – was freilich nicht alle Römer freut.

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          Rom hat nun sein Sommertheater: Denn mitten in der Reisesaison streitet Roms Bürgermeister Ignazio Marini über Warnungen des britischen Außenministeriums für Romreisende. „London ist sehr viel gefährlicher als Rom“, gibt der Bürgermeister zurück. Denn nach seiner Ansicht sind die Warnungen des Londoner Außenministeriums „abwegig und falsch“.

          Tobias Piller

          Wirtschaftskorrespondent für Italien und Griechenland mit Sitz in Rom.

          Dabei enthalten die britischen Empfehlungen aus der Sicht der Römer gar nichts Neues: Italienreisende sollten sich hüten vor Taschendieben und vor dem Wegreißen von Taschen. „Die Zielpersonen werden oft belästigt und gestoßen, um sie abzulenken, während andere Mitglieder einer Bande in Aktion treten“, heißt es da. In Rom müsse man besonders vorsichtig sein am Hauptbahnhof „Termini“ und im Bus Nummer 64, der die Verbindung zum Petersplatz darstelle. Im Zug vom Flughafen in die Innenstadt sei ebenso „besondere Wachsamkeit“ gefordert, vor allem beim Aussteigen. „Lassen Sie auch Essen und Getränke nie unbeaufsichtigt. Opfer von Betäubungsmitteln in Getränken sind ausgeraubt und manchmal missbraucht worden“, heißt es in den Empfehlungen des britischen Außenministeriums.

          Die heftige Reaktion des römischen Bürgermeisters auf die britischen Warnungen hat nun erst die Debatte um die Sicherheit in Rom in Gang gebracht. An Nachrichten über Zwischenfälle mit Touristen mangelt es indes nicht. Von 100 Diebstählen am Tag im römischen Hauptbahnhof „Termini“ war kürzlich die Rede, bevor wieder einmal neue Aktionen zum Schutz der Reisenden angekündigt wurden. Anfang August wurde ein amerikanisches Ehepaar ausgerechnet an der spanischen Treppe von einer Bande fliegender Händler aus Bangladesh verprügelt und verletzt. Die Stadtverwaltung veröffentlichte dazu einen Brief an die Touristen, mit einer Entschuldigung der Oberen der Stadt und einer Einladung zum Bürgermeister, in sein Amtszimmer auf dem Kapitol mit Blick auf das „Forum Romanum“.

          Hilferuf aus dem Ausgehviertel

          Aus dem bei Touristen beliebten Ausgehviertel Trastevere melden Medien den Hilferuf, dass Besucher beim Verlassen von Lokalen beraubt würden, auch, weil die Stadt aus Spargründen nur noch spärlich beleuchtet sei. Journalisten des „Corriere della Sera“ zählten wiederum an einem Nachmittag nur in der Nähe der Parlamentsgebäude rund 50 fliegende Händler, obwohl doch der Innenminister gerade Durchgreifen gegen diese „Vu’comprá“ angekündigt hatte. Zitiert werden einerseits beschwichtigende Worte einer Engländerin, doch daneben heißt es in eine Reportage, beim Bustransport in der berüchtigten Linie „64“ vom Hauptbahnhof zum Vatikan fühle man sich in der Hitze und im Gedränge des mit Leuten vollgestopften Gefährts wie in Kalkutta.

          Aus der deutschen Botschaft ist indessen zu hören, in diesem Jahr seien schon 500 Personalersatzdokumente für Leute ausgestellt worden, denen Hand- oder Brieftasche abhanden gekommen waren. Das sei aber nur ein Bruchteil der Diebstahlopfer, denn die meisten träten mit der Kopie der Verlustanzeige den Heimweg über den Brenner an.

          Längst ist die Sicherheit der Touristen zum Politikum geworden, das für oder gegen den Bürgermeister ausgeschlachtet wird. Roms wichtigste Lokalzeitung „Messaggero“ gehört der Bauunternehmerfamilie Caltagirone, die immer wieder auf Genehmigungen angewiesen ist und nun Bürgermeister Ignazio Marino verteidigt. Statt über die Szene in Rom wird den Lesern eine Reportage über „Urlaub in London inmitten von Diebstählen und Prügeleien“ geboten. Am Dienstag schreibt sie triumphierend von gestiegenen Besucherzahlen in Rom und von angeblicher Verlegenheit über die britische Attacke gegenüber Rom in der britischen Botschaft.

          Die zweite Lokalzeitung „Il Tempo“ ist dagegen weiter rechts angesiedelt und freut sich über ein Thema, mit dem man den Bürgermeister mit seinen betont linken Überzeugungen angreifen kann. Nun werden Reisewarnungen aus neun Ländern zitiert, unter dem Titel „Internationales SOS an die Touristen: Rom ist unsicher“. Ein amerikanischer Korrespondent schreibt als Gastautor: „Das Problem ist, dass niemand bestraft wird“. Ein japanischer Journalist schreibt als Gastautor: „Tokio ist sicherer“. Der bekannte römische Schauspieler Gigi Proietti erwidert: „Rom ist die schönste Stadt der Welt, und man muss sie nicht deshalb meiden, weil ein paar Geldbörsen abhanden kommen“.

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