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„Psychisch krank“ : Täter von Grafing wollte ein „Menschenopfer“ erbringen

Der Angeklagte zwischen seinem Rechtsanwalt und Polizisten vor dem Landgericht München Bild: dpa

Er rief am S-Bahnhof Grafing „Du Ungläubiger“ und „Allahu akbar“ – und stach dabei wahllos auf Passanten ein. Aufgrund einer Psychose hatte der Mann laut Staatsanwaltschaft Angst, von Muslimen verfolgt zu werden.

          Mit Ausrufen wie „Du Ungläubiger“ und „Allahu akbar“ hatte ein 27 Jahre alter Mann nach Angaben der Staatsanwaltschaft am 10. Mai 2016 wahllos auf Passanten am S-Bahnhof Grafing eingestochen. Seit Montag muss er sich nun vor dem Münchner Landgericht wegen Mordes an einem 56 Jahre alten Mann und versuchten Mordes an drei weiteren Männern verantworten.

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft leidet der aus Hessen stammende Mann an einer bipolaren affektiven Störung, die von „psychotischen Symptomen“ begleitet wird. Aufgrund einer Psychose habe der Mann Angst gehabt, von Muslimen verfolgt zu werden. Nachdem ihn seine Familie am 8. Mai in Gießen in eine psychiatrische Klinik gebracht hatte, verließ er jedoch gegen ärztlichen Rat das Krankenhaus, wie es in der Anklage heißt, um auf die Azoren zu gelangen.

          Blumen am Bahnhof in Grafing auf den Stufen zur S-Bahn

          Dann fuhr er mit dem Zug nach München und weiter nach Grafing, das er willkürlich aussuchte. Plötzlich habe er dort die Eingebung gehabt, zum Islam zu konvertieren, um nicht getötet zu werden, heißt es in der Anklage. Die Konversion habe er nach seiner Vorstellung mit einem „Menschenopfer“ vollenden müssen. So habe er dann in den frühen Morgenstunden wahllos auf zufällig vorbeikommende Männer eingestochen und diese auch verfolgt, als sie sich schwer verletzt in Sicherheit bringen wollten. Für ein Opfer war der Angriff tödlich.

          Nach den Angriffen ließ er sich den Angaben zufolge widerstandslos festnehmen, seitdem ist er in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht. Als Mordmerkmal sieht die Staatsanwaltschaft „Heimtücke“, da sich keines der vier Opfer eines Angriffs versehen habe. Der Angeklagte sei zwar aufgrund seiner Krankheit in der Lage, das Unrecht der Taten einzusehen, nicht jedoch, nach dieser Einsicht zu handeln. Die Staatsanwaltschaft sieht ihn auch künftig als gefährlich an: Es seien erhebliche Taten von ihm zu erwarten.

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