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Psychisch auffällige Täter : Der Schutz der Bevölkerung muss Vorrang haben

Der Tatort von Würzburg: Hätte der Messerstecher vor der Tat besser behandelt werden müssen? Bild: dpa

Wenn das Risiko weiterer Gewalttaten fortbesteht, muss man Patienten auch jenseits der „akuten Gefahr“ gegen ihren Willen in der Psychiatrie behandeln können. Diese gesetzlich zu verankernde Restriktion kann durchaus verhältnismäßig sein.

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          Schwerwiegende Gewalttaten durch psychisch kranke Menschen sind Einzelfälle. Doch allein in Bayern ereigneten sich solche Einzelfälle dreimal: In Würzburg wurden drei Frauen erstochen und neun Menschen zum Teil lebensgefährlich verletzt. In einem ICE bei Nürnberg wurden vier Männer mit einem Messer verletzt. Und in einem Geschäft in der Münchner Innenstadt wurde ein Zehnjähriger mit einem Küchenmesser attackiert. Für ein Opfer ist es dabei ohne Bedeutung, wie oft solche Taten verübt werden. Aber alle müssen sich fragen: Hätte die Tat verhindert werden können?

          Der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde hat vor Kurzem in der F.A.Z. solche tragischen Fälle als „Kollateralfolgen“ der Selbstbestimmung der Patienten bezeichnet, die gesellschaftlich so gewollt sei – und damit indirekt die Frage mit „Nein“ beantwortet. Denn psychisch auffällige Gefährder müssen nur so lange in der Psychiatrie bleiben, bis die Eigengefährdung oder die „akute Gefahr“ für andere Personen auszuschließen ist. Will man sie aber trotzdem noch weiter stationär behandeln – weil der Patient womöglich in einer misera­blen sozialen Situation ist –, dann nicht gegen den Willen des Kranken.

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