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Singapur : Deutschen droht Prügel wegen Graffiti

Die beiden Deutschen – hier einer der beiden nach der Festnahme mit Polizeibegleitung – wurden in Kuala Lumpur festgenommen und nach Singapur ausgeliefert. Jetzt warten sie auf ihr Urteil. Bild: dpa

In Singapur wird Sachbeschädigung rabiat bestraft: Zwei deutschen Sprayern droht nach der Verunstaltung einer U-Bahn die Prügelstrafe.

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          Für zwei junge Männer aus Leipzig, die in Singapur wegen Vandalismus angeklagt sind, gibt es kaum noch einen Ausweg, der für dieses Vergehen obligatorischen Prügelstrafe zu entgehen. Wie ihr Anwalt Christopher Bridges am Montag berichtete, wollen sich die beiden Deutschen vor Gericht schuldig bekennen. Sie waren im November während eines Urlaubs in Singapur in ein Depot mit U-Bahn-Waggons im Bezirk Bishan eingedrungen. Dort hatten sie einige der Waggons mit Graffiti besprüht.

          Till Fähnders
          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Ein Urteil wird am 5. März erwartet. Nach dem Gesetz könnte bei Ersttätern zwar auf die Schläge verzichtet werden, wenn die Malereien mit abwaschbarer Farbe wie Bleistift oder Kreide gemacht wurden. Aber die beiden hatten laut Presseberichten nichtlösliche Sprühfarbe benutzt.

          Menschenrechtler vergleichen die Prügelstrafe, die mit einem Rattan-Stock ausgeführt wird, der im Durchmesser höchstens 1,27 Zentimeter dick ist, mit Folter. Die Regierung bestreitet das allerdings. Nach Angaben des Justizministeriums in dem Stadtstaat wird diese Art der Strafe zudem nicht leichtfertig angeordnet. Die Schläge werden unter ärztlicher Aufsicht auf das nackte Gesäß ausgeführt und hinterlassen schwere Verletzungen, die nur langsam heilen und sichtbare Narben hinterlassen. Die Strafe hat ihren Ursprung in der britischen Kolonialzeit und wird auch in den Nachbarländern Malaysia und Brunei angewandt.

          Vandalismus wird mit drei bis acht Schlägen bestraft

          Die beiden sitzen seit November in Untersuchungshaft. Sie konnten oder wollten nicht die geforderte Kaution von 100.000 Singapur-Dollar (knapp 65.000 Euro) aufbringen. Die Zahl der Anklagepunkte wurde in außergerichtlichen Verhandlungen von vier auf drei Punkte heruntergehandelt. Neben Vandalismus wirft die Staatsanwaltschaft ihnen das unerlaubte Betreten eines Grundstücks in zwei Fällen vor. Die Höchststrafe dafür beträgt 1000 Singapur-Dollar (650 Euro), bis zu zwei Jahre Haft oder beides.

          Vandalismus wird mit drei bis acht Stockschlägen bestraft sowie einer Geldstrafe von 2000 Singapur-Dollar (1300 Euro) oder bis zu drei Jahren Haft. Allerdings wird die Höchststrafe nur sehr selten verhängt. Die Deutschen, beide Anfang zwanzig, waren nach der Tat zunächst nach Thailand weitergereist und schließlich am Flughafen von Kuala Lumpur festgenommen worden. Von dort wollten sie nach Australien weiterfliegen, wo sie arbeiten. Die malaysischen Behörden lieferten sie jedoch an Singapur aus.

          Die Verhängung der Prügelstrafe auch bei Ausländern hatte im Jahr 1994 für Wirbel gesorgt, als Michael Fay, ein 18 Jahre alter Jugendlicher aus Amerika, mit vier Stockschlägen bestraft wurde, weil er parkende Autos zerkratzt und Straßenschilder gestohlen hatte. Im Jahr 2010 verurteilte ein Gericht einen damals 31 Jahre alten Schweizer zu fünf Monaten Haft und drei Stockschlägen. Der Schweizer war ebenfalls in ein U-Bahn-Depot eingedrungen und hatte an zwei Waggons Graffiti gesprüht.

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