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Prozessbeginn im Fall Yagmur : Zu Tode misshandelt

Über Monate soll die Mutter ihre Tochter gequält haben – am Ende verblutete die kleine Yagmur innerlich. Der Fall hat über Hamburg hinaus Entsetzen ausgelöst, auch der Rolle des Jugendamts wegen. Nun hat der Prozess begonnen.

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          Der Frau wird vorgeworfen, ihr eigenes Kind grausam getötet zu haben. Über Monate hinweg habe die Mutter ihre Tochter immer wieder geschlagen, getreten und gekniffen,  heißt es in der Anklage. „Das Kind musste ständig mit neuen Angriffen rechnen.“ Oft sei der Vater bei den Prügelattacken dabei gewesen ohne einzuschreiten.

          Frank Pergande

          Politischer Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Vor dem Landgericht Hamburg hat am Mittwoch der Prozess gegen die Eltern der kleinen Yagmur begonnen. Das Kind war im Dezember im Alter von dreieinhalb Jahren durch massive Gewalteinwirkung gestorben. Die Staatsanwaltschaft wirft der 27 Jahre alten Mutter Mord vor, dem zwei Jahre jüngeren Vater Körperverletzung mit Todesfolge durch Unterlassen, weil er die Tochter nicht vor den Misshandlungen geschützt haben soll. Zunächst hatte der Vater als der Hauptverdächtige gegolten.

          Der Fall hat Entsetzen ausgelöst

          Der Fall hatte in Hamburg Entsetzen ausgelöst. Die Leiche war am 18. Dezember in Billstedt gefunden worden. Das Kind war nach einem Leberriss innerlich verblutet. Bei der Obduktion wurden mehr als 80 Hämatome und Quetschungen sowie ein schlecht verheilter Bruch des Unterarms festgestellt. Die Eltern wurden festgenommen.

          Besonders tragisch an dem Fall ist, dass Yagmur und die Eltern längst im Fokus des Jugendamtes standen. Das Kind war zeitweise bei Pflegeeltern untergebracht. Im Februar des vergangenen Jahres kam das Mädchen zum wiederholten Mal ins Krankenhaus. Ein Rechtsmediziner erstattete Strafanzeige wegen des Verdachts auf Kindesmissbrauch. Aber schon im Mai wurde das Kind an die leiblichen Eltern zurückgegeben, nachdem sich die Pflegemutter bezichtigt hatte, das Kind geschlagen zu haben. Im November wurden alle Ermittlungen gegen die Eltern eingestellt, wenige Wochen später war das Kind tot.

          Sozialsenator Detlef Scheele (SPD) hat inzwischen angekündigt, mehr Personal für die Jugendämter zur Verfügung zu stellen und die Kooperation zwischen jenen, die sich um den Schutz der Kinder kümmern, zu verbessern. Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss der Bürgerschaft bereitet zu dem Thema derzeit seinen Bericht vor. Bei den Anhörungen offenbarten sich gravierende Mängel bei den Behörden. Offenbar wurden im Kompetenzgerangel immer wieder Möglichkeiten verpasst, das Kind doch noch zu retten. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen mehrere Mitarbeiter von Hamburger Jugendämtern.

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