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Prozessauftakt in Nürnberg : Schwiegereltern ermordet und eingemauert?

Stephanie P. im Sitzungssaal des Landgerichts Nürnberg. Sie und ihr Mann sollen 2017 geplant haben seine Eltern umzubringen. Bild: Picture-Alliance

Ein junges Paar soll die Eltern des Mannes ermordet, eingemauert und dann als vermisst gemeldet haben. Wer war die treibende Kraft hinter der Tat?

          Der Polizist, der neben ihr sitzt und eben noch kurz ihre Hand gedrückt hat, als sie wieder unter Schluchzen davon erzählte, wie „Ingo mich gepackt hat“, wie „Ingo mich gewürgt hat“, wie sehr sie „Angst vor Ingo hatte“, rückt nun ganz nah an sie heran, blickt ihr ins Gesicht und lehnt sich dann abrupt zurück: „Also als Polizeibeamter finde ich das ganz schwer zu glauben, Stephanie.“

          Karin Truscheit

          Redakteurin im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Was er kaum glauben kann, hat Stephanie P. ihm zuvor in der Vernehmung über eine Stunde lang geschildert. Die Vernehmung wurde auf Video aufgenommen und am Dienstag im Gerichtssaal im Nürnberger Landgericht gezeigt. Man sieht darin eine blässliche junge Frau mit Brille und üppigem blonden Haar, die vor einem Pappbecher sitzt und sehr kontrolliert wirkt für eine zweiundzwanzigjährige Kinderpflegerin aus der mittelfränkischen Provinz, der erst vor ungefähr einer Stunde Spezialkräfte der Polizei die Scheibe ihres Autos eingeschlagen haben, als sie und ihr frisch angetrauter Ehemann auf der Straße festgenommen wurden.

          Die Stephanie P. aus dem Video, die wie ein Wasserfall redet, hat nicht nur optisch wenig gemein mit der Stephanie P., die am Dienstag hinter einem Aktendeckel verborgen in den Gerichtssaal schleicht, um mit strähnigem, nunmehr weitaus dunklerem Haar und mausgrauer Strickjacke neben ihrem Ehemann Ingo P. auf der Anklagebank Platz zu nehmen. Denn weder sie, noch der 26 Jahre alte Informatiker, ein freundlich blickender, großer Mann mit hellblauem Hemd und dunklem Wuschelkopf, werden an diesem ersten Prozesstag etwas zu dem Vorwurf des „gemeinschaftlichen Mordes“ an den Eltern des Ingo P. aussagen.

          Ein weiterer niedriger Beweggrund

          Aber nein, sie habe die „Schwiegermama“ doch gern gehabt, sagt Stephanie P. in dem Video. „Keine Ahnung, wie die auf Facebook behaupten können, ich hätte die nicht gemocht.“ Für die Staatsanwaltschaft gehört hingegen die Tatsache, dass die Mutter des Ingo P. ihre künftige Schwiegertochter ablehnte, zu den Motiven, die Stephanie P. dazu veranlasst haben, als „treibende Kraft“ zusammen mit ihrem Mann einen mörderischen Plan zu fassen. Stephanie P. habe ihren jetzigen Ehemann Ingo P., mit dem sie erst kurz zusammen war und gemeinsam in dem Haus seiner Eltern wohnte, einem hübschen Einfamilienhaus mit akkurat geschnittener Hecke, ganz für sich haben wollen. Die enge Bindung ihres damals noch Verlobten an seine Eltern habe sie gestört, heißt es in der Anklage. Dazu sei als weiterer niedriger Beweggrund und somit als weiteres Mordmerkmal Habgier gekommen. Im Video sagt sie dazu auf die Frage des Polizisten zu ihrer finanziellen Situation: „Naja, ich bin arbeitssuchend, auf meinem Konto ist nicht unbedingt ein Plus drauf.“ Der Plan, zunächst die Mutter und dann den Vater zu beseitigen, ist nach Sicht der Staatsanwaltschaft im Oktober 2017 gereift.

          Im Internet wurde nach giftigen Substanzen recherchiert, schließlich bestellten sie – so sieht es die Staatsanwaltschaft – im November dann giftige Pflanzensamen: Goldregensamen, Herbstzeitlosensamen sowie Samen des Rizinusbaums und der Paternostererbsen. Zusammen backten sie dann „mindestens einen Muffin“, der offenbar Rizinussamen enthielt. Als die Mutter einen solchen Muffin verzehrte, litt sie so sehr unter Übelkeit und Durchfall, dass sie deswegen einen Arzt aufsuchte. Doch sie starb nicht daran. Ebenso wenig wie an dem Kaffee, den Ingo P. laut Anklage seiner Mutter gab, nachdem das Paar beschlossen hatte, die Eltern nunmehr durch die Chemikalie GBL zu töten. Aufgrund des auffälligen Geschmacks trank die Mutter den Kaffee jedoch nicht aus, und die Angeklagten sahen jetzt „keine Möglichkeit mehr, zeitnah weitere Speisen unter Beigabe von Gift anzubieten“.

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