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Prozessauftakt in Brandenburg : Mutter gesteht zweifache Tötung

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Das Plüschtier der Angeklagten Franziska S., der zweifacher Totschlag vorgeworfen wird Bild: dpa

Die 22 Jahre alte Mutter hat eingeräumt, ihre Zwillinge umgebracht zu haben. In einer Erklärung bestätigt sie weitgehend die Anklage, die ihr zweifachen Totschlag vorwirft. Ein Kind wurde erstickt, das andere starb noch im Mutterleib.

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          Mit schwacher Stimme antwortet die 22 Jahre alte Angeklagte auf die Frage des Richters nach ihren Personalien. Ein kleiner Plüschteddy sitzt vor ihr auf dem Tisch. Ihr Anwalt hat ihn mit ins Landgericht Frankfurt (Oder) gebracht. Hier muss sich Franziska S. seit Dienstag wegen eines grausigen Verbrechens verantworten. Die Anklage wirft der Studentin zweifache Kindstötung vor. Sie soll im März im brandenburgischen Biesenthal einen Jungen nach der Geburt erstickt und einen weiteren Jungen noch im Mutterleib durch Schläge umgebracht haben.

          Selbst äußert sich die Angeklagte nicht zu den Vorwürfen. Aber Anwalt Mirko Röder trägt in ihrem Namen eine Erklärung vor: Danach ist die Lehramtsstudentin, die in den Semesterferien bei ihren Eltern weilte, in der Nacht zum 25. März wegen starker Schmerzen ins Bad gegangen. Dort sei ein Baby in die WC-Schüssel gefallen. „Ich war schockiert„, heißt es in der Erklärung der Frau. Damit ihre schlafenden Eltern nichts bemerkten, habe sie das röchelnde Kind fest an sich gedrückt und dann den leblosen Körper „mechanisch“ in eine Decke gewickelt und eine Plastiktüte gesteckt und unter ihre Couch gelegt.

          „Bewusst habe ich das alles nicht miterlebt“

          Da die Schmerzen nicht nachließen, habe sie auf ihren Bauch gedrückt und an der vermeintlichen Nachgeburt gezogen. „Bewusst habe ich das alles nicht miterlebt“, betont die Frau in der Erklärung. Erst im Krankenhaus, wohin die inzwischen aufgewachten Eltern die Tochter bringen ließen, sei sie wieder zu sich gekommen.
          Laut Staatsanwältin Anette Bargenda hatte sich das zweite Zwillingskind in Querlage befunden, was zu Komplikationen führte. Franziska S. habe auf ihren Bauch geschlagen und dabei den Schädel des Kindes getroffen. Zudem soll sie versucht haben, das Baby an einem Arm aus ihrem Körper herauszuziehen. Der an Blutungen der Hirnhaut verstorbene Fötus wurde im Krankenhaus per Kaiserschnitt zur Welt gebracht.

          Noch am Tattag wurde Franziska S. festgenommen, seither sitzt sie in Untersuchungshaft. Der Anwalt beschreibt seine Mandantin als ein intelligentes und aufgeklärtes Mädchen, das im Elternhaus eine „sorgenfreie Kindheit“ verlebt habe. „Ich war das Nesthäkchen und wurde entsprechend bemuttert“, ließ die Angeklagte erklären. Sie habe ein Auto geschenkt bekommen, die Eltern finanzierten ihr Studium. Die Kehrseite sei gewesen, dass ihre Mutter sie seit jeher stark kontrolliert habe. Auch der Vater, ein Diplom-Ingenieur, habe wie ein Patriarch über die Familie geherrscht.

          Niemand hat etwas mitbekommen

          „Ich war immer darauf aus, ihn nicht zu enttäuschen“, heißt es in der Erklärung der Angeklagten. So habe sie zu Hause das „Vorzeigetöchterchen“ gegeben. Dagegen sagte sie den Eltern nicht, dass sie ihr 2006 in Greifswald begonnenes Lehramtsstudium wegen der Abneigung zu Latein abbrach und 2008 an die Universität Rostock wechselte. Mit dem Erzeuger der Kinder, der im Prozess als Nebenkläger auftritt, führte sie laut Röder eine „lockere Liebesbeziehung“. Der Kommilitone habe angenommen, die Zweiundzwanzigjährige verhüte. Sie habe gedacht, es werde schon gut gehen.

          Die Schwangerschaft habe die Angeklagte sehr spät bemerkt und dann verdrängt, sagt der Anwalt. Auch Bekannte und Verwandte hätten nichts mitbekommen, Franziska S. habe damals weite Kleider getragen. Die Verteidigung sieht in ihr trotz ihres Alters noch einen Teenager, der mit Reifedefiziten zu kämpfen habe. Die Angeklagte habe in einer „körperlichen und seelischen Ausnahmesituation eine falsche Entscheidung getroffen“.

          In der Erklärung spricht Franziska S. von einem “unverzeihlichen Fehler“. Ein Kind habe nicht in ihren „egoistischen Lebensplan“ gepasst. „Ich bereue mein Handeln zutiefst“, lässt sie mitteilen.

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